Nur selten bietet Apple etwas sehr günstig an. Gegenwärtig sind das Ersatzakkus für das iPhone. Wer die Batterie eines der älteren Modelle austauschen möchte, kann das noch bis Ende des Jahres für 29 Euro erledigen lassen. Verglichen mit den üblichen Preisen bei Apple ist das geradezu ein Schnäppchen. Normalerweise verlangt das Unternehmen für einen Akkuwechsel das Dreifache.

In Großbritannien kommt nun jedoch der Verdacht auf, das verlockende Sonderangebot sei eine Falle. Vergangene Woche hatte das Fernsehmagazin BBC Watchdog über Kunden berichtet, denen Apple den günstigen Akkutausch verweigert habe. Zuvor müsse man erst einige "Vorschäden" beseitigen, habe es geheißen. Mal eine stecknadelkopfgroße Delle am Gehäuse des iPhones, mal einen angeblichen Defekt am Lautsprecher (der dem Nutzer allerdings gar nicht aufgefallen war). Kosten sollte das jeweils bis zu 250 Pfund, umgerechnet 280 Euro, berichtete die BBC. Und schnell stand der Verdacht im Raum, Apple nutze die Akku-Tauschaktion als Köder, um Kunden unnötige oder überteuerte Reparaturen aufzudrängen.

Von der ZEIT darauf angesprochen, kommentierte Apple diese Fälle nicht. Dabei erinnert das Ganze schon etwas an die Masche zwielichtiger Autowerkstätten, deren ölverschmierte Mechaniker beim Blick unter die Motorhaube mit einem "Das sieht aber gar nicht gut aus ..." die finanzielle Entkernung ihrer Kunden einleiten. Doch vor allem lenkt der Bericht die Aufmerksamkeit auf die Frage, warum eigentlich elf Jahre nach der Erfindung des iPhones die Akkuleistung vieler Smartphones noch immer ein so großes Problem darstellt.

Auf dem Papier wirkt alles super. Geräte wie das iPhone 8 zum Beispiel bleiben dem Datenblatt zufolge mit einer Ladung zehn Tage auf Standby, alternativ lässt sich auch 14 Stunden durchtelefonieren oder zwölf Stunden nonstop mit Höchstgeschwindigkeit im Internet surfen. Ähnliches versprachen auch schon die Vorgängermodelle. Doch in der Praxis hängt so gut wie jedes Smartphone bald jede Nacht am Ladegerät – und oft sogar tagsüber. Mehr als jeder zweite Nutzer wünscht sich "eine deutlich längere Akkulaufzeit", hat eine Umfrage des Technikverbands Bitkom im vergangenen Jahr ergeben. Andere Dinge wie bessere Kameras oder zusätzlicher Speicherplatz sind zweitrangig.

Vom Preis eines Smartphones kann man jedenfalls nicht auf die Akkuleistung schließen. Nicht einmal bei teuren Geräten von Apple. "Bei unseren Akkutests geben die iPhones traditionell ein eher schwaches Bild ab", sagt Michael Wolf von der Stiftung Warentest. Ähnliches gelte aber auch für einige Spitzenmodelle anderer Hersteller – während die Mittelklasse oft besser abschneide. Manche Geräte von Lenovo, Huawei, LG oder Samsung halten jedenfalls deutlich länger durch.

Die Art der verbauten Akkus ist dafür nicht verantwortlich. Lithium-Ionen-Akkus sind ein Standardprodukt, weltweit gefertigt von einer kleinen Gruppe spezialisierter Zulieferer aus Asien – Firmen wie Samsung SDI, Sunwoda Electronics oder Huizou Desay. Und sie sind überraschend billig. Die Beschaffungskosten für den Akku in Apples aktuellem Spitzenmodell iPhone X würden gerade mal sechs Dollar betragen, schätzt die britische Marktforschungsfirma IHS Markit. Weit teurer sei mit 110 Dollar das berührungsempfindliche Display. Aber selbst alle Bauteile zusammen würden Apple bloß mit 370 Dollar belasten – etwas mehr als 300 Euro. Der Ladenpreis für ein iPhone X beträgt hierzulande 1149 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Am Geld scheitert es also auch nicht. Angesichts der Gewinnmarge wäre es für Apple betriebswirtschaftlich durchaus möglich, mehr für bessere Akkus auszugeben. Wenn es sie denn gäbe.

Werden die Geräte filigraner, bleibt weniger Platz für die Batterie

Wie lange eine Batterie durchhält, hängt von drei Faktoren ab: ihrer Größe, ihrem Alter und ihrer Beanspruchung. Naturgesetze und das technisch Mögliche begrenzen die Menge Energie, die in einer Batterie gespeichert und abgerufen werden kann. Prozessoren, Kameras, Lautsprecher und allerlei Sensoren müssen in das Gerät passen. Und wenn ein Hersteller dann noch Wert auf ein möglichst schlankes Gehäuse legt, muss er Kompromisse eingehen. "In den vergangenen Jahren sind Smartphones immer leistungsfähiger und die Displays immer größer geworden. Zugleich wurden die Geräte immer filigraner, aber irgendwo muss der Akku ja rein", sagt Warentester Wolf. Zwischen schlankem Design und längerer Akkulaufzeit muss jeder Hersteller bei jedem neuen Modell abwägen. Ebenso darüber, ob Kunden schwächelnde Batterien selbst wechseln können sollen oder nicht. Das sind unternehmerische Entscheidungen.

Denn auch Batterien werden älter. Apple hat zu diesem Thema vor wenigen Wochen umfangreiche Informationen bereitgestellt, die sich auf andere Hersteller übertragen lassen. "Mit zunehmendem chemischen Alter einer Lithium-Ionen-Batterie verringert sich deren Fähigkeit, Ladung zu halten. Daher muss das Gerät häufiger wieder aufgeladen werden", heißt es dort. Das "chemische Alter" habe nicht nur mit der verstrichenen Zeit zu tun, sondern auch damit, wie oft ein Akku ent- und wieder aufgeladen wurde. Nach 500 solcher Ladezyklen, schreibt Apple, habe eine Batterie noch "bis zu 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität". Früher oder später geschieht aber unweigerlich, was jeder Smartphone-Nutzer kennt und fürchtet: Das Gerät muss immer häufiger ans Netz, der Abstand zwischen den Ladezyklen wird kürzer, der Niedergang beschleunigt sich, und irgendwann hängt selbst ein "Hallo Zukunft"-iPhone X genauso dauerhaft am Kabel wie einst der Fernsprechtischapparat zu Zeiten der Bundespost.