Wenige Stunden nachdem John Legere eine Firmenfusion im Wert von 26 Milliarden Dollar bekannt gegeben hatte, brutzelte er in einer Kochshow Rippchen. In seiner Sendung Happy Slow Cooker Sunday, die über Facebook Millionen von Zuschauern erreicht, erklärte er, wie wichtig es sei, einen Topf richtig einzufetten. Nahm eine Sprühdose mit Öl in die Hand und sprühte die Achseln eines Mitarbeiters ein, der ihn in die Show begleitet hatte. Dann den Fußboden, um darauf ein kleines Tänzchen zu vollführen. Dabei trug er ein pinkfarbenes T-Shirt und eine schwarze Kochmütze, unter der seine schulterlangen Haare hervorlugten. Und weil vor ihm auf der Kücheninsel ein Karton mit Bierflaschen stand, fügte er hinzu: "Wenn Sie sich fragen, wofür wir das Bier brauchen, dann haben Sie keine Ahnung vom Leben!"

John Legere, 59 Jahre alt und Vorstandsvorsitzender des US-Mobilfunkanbieters T-Mobile, bereitete an diesem Sonntag vor zwei Wochen Kansas City BBQ Ribs vor – marinierte Schweinerippchen. Das Rezept hatte der Chef der Deutsche-Telekom-Tochter nicht zufällig ausgewählt. Denn T-Mobile will den Rivalen Sprint übernehmen – dessen Hauptsitz in Kansas City liegt. Das war der Fusionsplan, den Legere verkündete, bevor er das Fleisch briet. Erlauben die US-Behörden die Übernahme, würde T-Mobile 127 Millionen Kunden haben und fast mit AT&T gleichziehen, der Nummer zwei im amerikanischen Markt. Nur Branchenprimus Verizon wäre größer. Die Fusion würde aus einem der schillerndsten Manager der Telekommunikationsindustrie einen ihrer mächtigsten machen.

Die Konkurrenten Verizon und AT&T nennt er "Dumm und Dümmer"

Es sei ein besonderer Tag für das Unternehmen, erklärte bei der Verkündung der Übernahmepläne ein sichtlich bewegter Telekom-Chef Tim Höttges. Sieben Jahre habe man darauf hingearbeitet. Erstmals während seiner Amtszeit habe der Aufsichtsrat applaudiert. Der Erfolg sei nicht zuletzt dem T-Mobile-Management unter Legere zu verdanken.

So begeistert war man in Bonn nicht immer über die US-Tochter. Als Legere 2012 den Chefposten übernahm, war T-Mobile das Sorgenkind der deutschen Mutter. Das Unternehmen war abgeschlagen im Wettbewerb mit den Branchenführern AT&T und Verizon. Das eigene Funknetz war lückenhaft und entsprechend unattraktiv für Kunden. Ein Verkauf an AT&T schien die beste Option. Die Übernahme scheiterte an den Kartellbehörden, was jedoch ein Gutes hatte: AT&T musste eine vorher vereinbarte Strafe im Wert von rund vier Milliarden Dollar für das Platzen der Fusion zahlen und T-Mobile Funkfrequenzen überlassen. Das nutzte die Firma, um den Service zu verbessern. Dennoch erschien vielen Mitarbeitern eine Aufholjagd unmöglich. "Die Stimmung war schlecht", erinnert sich Legere in einem Beitrag für die Harvard Business Review.

Ein Headhunter hatte Legere angerufen, um ihn für den Chefposten anzuwerben. Legere war damals gerade geschieden und ohne Beschäftigung. Nicht dass er es nötig gehabt hätte zu arbeiten. Dank seines letzten Jobs beim Netzwerkanbieter Global Crossing, den er als Chef aus der Pleite geführt und 2011 erfolgreich für drei Milliarden Dollar verkauft hatte, war er Multimillionär. Aber nicht zu arbeiten, sagt Legere, sei nicht sein Ding.

In seiner Darstellung übernahm er als neuer Chef bei T-Mobile ein hierarchisches, bürokratisches und spießiges Unternehmen. Als er am ersten Tag eine Mitarbeiterversammlung abhalten wollte, sei ihm gesagt worden, er könne nur mit Führungskräften sprechen. Angestellte hätten weder Tätowierungen noch Piercings haben dürfen. "Meine älteste Tochter hat ein Zungenpiercing, meine jüngere sechs Tätowierungen, und ich fand es unmöglich, dass sie nicht bei einem Unternehmen hätten arbeiten dürfen, das ich leite", sagte er später. Was Legere erkannte: Um Erfolg gegen die Etablierten zu haben, musste T-Mobile die jüngere, technologiebegeisterte Generation ansprechen, als Mitarbeiter wie als Kunden.

Der Wendepunkt kam ein paar Monate nach seinem Amtsantritt im Januar 2013 in Las Vegas, wo der neue T-Mobile-Chef Branchenvertretern und Journalisten bei der Elektronikmesse vorgestellt werden sollte. Der Auftritt machte Legere über Nacht bekannt oder vielmehr berüchtigt. Statt im Anzug trat der Spitzenmanager im magentafarbenen T-Shirt auf. Also in der Firmenfarbe der Telekom. Dazu trug er eine übergroße Plastikuhr und eine dicke, silberne Halskette. Der Manager könne als "ehemaliges Mitglied der Rockband Kiss durchgehen", schrieb das US-Magazin Fast Company.

Auf der Bühne zog Legere in nicht jugendfreiem Vokabular über die Konkurrenten Verizon und AT&T her, die er – in Anlehnung an einen Klamaukfilm aus den Neunzigern – bis heute gern "Dumm und Dümmer" nennt. Unter anderem forderte er, Datenlimits für die Videoübertragung aufs Smartphone abzuschaffen, weil sie den mobilen Pornokonsum behinderten. Legere erntete Lacher und Beifall wie sonst nur Comedians. Die Ansprache gipfelte in einer Art Manifest, in dem Legere versprach, die Branche von kundenfeindlichen Praktiken zu befreien. "Ich bin ausgeflippt", fasste er seinen Auftritt später zusammen.