Die katholischen Schulen sind noch nicht gerettet, aber sie könnten gerettet werden. Das ist die Nachricht des vergangenen Wochenendes. Und diese Nachricht ist erst mal eine gute. Seit das Bistum im Januar verkündet hat, acht seiner 21 Schulen schließen zu wollen, protestieren Eltern, Lehrer, Schüler und ehemalige Schüler gegen den Plan. Sie organisierten eine Demonstration auf dem Rathausmarkt und eine vor dem Mariendom, an den Schulen brannten Kerzen, es gab hitzige Veranstaltungen mit Vertretern des Bistums. Und überall wurde deutlich: Die katholischen Schulen sind mehr als ein paar konfessionelle Bildungseinrichtungen. Sie sind einige der wenigen Orte in dieser säkularen Stadt, in denen Kirche in den Alltag ausstrahlt, auch in den von Nichtkatholiken.

Weil der Protest überwältigend groß war, trafen sich am Samstag Erzbischof Stefan Heße und Generalvikar Ansgar Thim mit den Vertretern der Schulgenossenschaft, die von den Eltern, Lehrern, Schülern und ehemaligen Schülern gegründet wurde. Acht Stunden dauerten die Gespräche. Das Ergebnis: Bis Anfang Juli soll gemeinsam ein Modell dafür entwickelt werden, wie die Schulen betrieben werden können und vor allem: wer sie mit welchem Geld finanziert. Denn das Bistum hatte nicht ohne Grund entschieden, die Schulen dichtzumachen. Es ist mit 80 Millionen Euro verschuldet. Wenn es nichts tut, könnten es in vier Jahren 350 Millionen sein.

Die Gespräche mit der Genossenschaft sind riskant für das Bistum. Es kann kaum finanzielle Zugeständnisse machen und muss darauf achten, dass die Schulen im Vergleich zu allen anderen katholischen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Gemeindehäusern und Kirchengebäuden nicht unverhältnismäßig bevorzugt werden.

Dennoch ist die Entscheidung des Bistums richtig, mit der Genossenschaft alle Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Weil die Schulen zum Symbol geworden sind.

Die katholische Kirche ist durch die Schuldebatte präsent wie nie in der Stadt. Die Vertreter der Genossenschaft sind nicht gegen die Kirche, im Gegenteil. Die meisten von ihnen gehören zu den wenigen engagierten Katholiken in Hamburg. Wenn das Bistum und die Genossenschaft wirklich einen Weg finden sollten, zumindest einige der Schulen weiterzubetreiben, wäre das ein großer Erfolg. Für beide Seiten. Es würde einen Gemeinschaftssinn in Hierarchie und Basis schaffen. Und es entstünde eine Aufbruchsstimmung. Ein Gefühl, das es in einer alternden, schrumpfenden und klammen Kirche lange nicht gab.