David Zwirner will mehr Miete zahlen. Freiwillig. Nicht für seine Galerien in London, Hongkong und New York, wo er sich gerade ein 50 Millionen Dollar teures Hauptquartier von dem Architekten Renzo Piano bauen lässt. Zwirner will mehr Miete auf den großen Kunstmessen zahlen. Das war die wohl wichtigste Nachricht auf der Art-Leaders-Konferenz der New York Times, die gerade in Berlin stattfand.

Von seiner höheren Standmiete sollen aber nicht die Messegesellschaften profitieren, sagt Zwirner, sondern die jüngeren, kleineren Galerien. Ihre Mieten sollen sinken. Knapp die Hälfte ihrer Verkäufe tätigen Galeristen auf Messen, diesen globalen Erfahrungswert hat auch der Art Market Report der Art Basel für das Jahr 2017 bestätigt. Galerien müssen also an Messen teilnehmen, zumal sie dort auch ihre Netzwerke pflegen und Kontakte zu neuen Sammlern knüpfen können.

Doch wer es überhaupt in die Auswahl für eine der prestigeträchtigen Messen wie die Art Basel in der Schweiz, Miami Beach oder Hongkong schafft, muss mit Standmieten im fünfstelligen bis sechsstelligen Dollar-Bereich rechnen. Für Zwirner – der auf der Art Basel laut dessen Direktor Marc Spiegler rund 100.000 Schweizer Franken zahlt – ist dies kein Problem, er macht dort mit Künstlern wie Jeff Koons, Yayoi Kusama und Wolfgang Tillmans Millionenumsätze. Für Galerien mit noch nicht sehr nachgefragten Kunstwerken, die jeweils nur ein paar Tausend Euro einbringen, kann die Messeteilnahme schnell zum Verlustgeschäft werden. Und so haben einige jener angesehenen Galeristen wie Martin Klosterfelde und Joanna Kamm, die in den vergangenen Jahren ihr Geschäft aufgeben mussten, dem heiß gelaufenen Messesystem dafür eine Mitschuld gegeben.

Sinken jetzt die Messekosten für die jungen und kleinen Galerien? Führt David Zwirners Vorschlag zu einer neuen Form der Solidarität auf dem Kunstmarkt? Marc Spiegler, der ebenfalls an der Konferenz in Berlin teilnahm, verwies auf das bei der Art Basel etablierte Format Statements für einige junge Galerien, die bereits geringere Standmieten zahlen müssten. Man prüfe zudem ständig, wie man die Kosten gerechter verteilen könne. Doch sei die Suche nach dem richtigen Verteilungs-Algorithmus sehr schwierig, es müssten zahlreiche Faktoren wie Transportkosten, Gewinndifferenzen bei Geschäften im primären und sekundären Kunsthandel und Ähnliches mehr beachtet werden. Rückenwind bekam Zwirner allerdings von Marc Glimcher. Der Präsident der mächtigen Pace Gallery stimmte Zwirner lautstark zu: "Let’s do it!"