Nico Hofmann, Jahrgang 1959, derzeitiger Geschäftsführer der Ufa und mit Erfolg gesegneter Filmproduzent, gehört zu einer Generation, die sich schon öfter vorwerfen lassen musste, im Grunde gesichtslos zu sein. Karrieretechnisch bestens funktionierend, aber ohne große Ideale. Zwar ist in Hofmanns jüngst erschienenem Buch Mehr Haltung, bitte! von dieser Zuschreibung überhaupt nicht die Rede. Aber man spürt den Impetus, sie zu widerlegen. Hier meldet sich ein prominenter Mann, der in aller Deutlichkeit für seine demokratischen Ideale und Überzeugungen eintreten möchte. Schon im Einleitungskapitel treten die AfD und die Gefahr des Rechtspopulismus, die europäische Hoffnung namens Emmanuel Macron und das deutsche Elend reflexhafter Debattenkultur auf.

Natürlich blättert der in einem Mannheimer Journalistenhaushalt aufgewachsene Hofmann auch Biografisches auf, erzählt vom Beginn seiner Filmleidenschaft im Kindesalter, von der Entscheidung, die Regie zugunsten der Produktion aufzugeben. Aber eine Autobiografie ist das Buch seinem Wesen nach beileibe nicht. Es ist ein Manifest, verfasst von einem Vorreiter seiner Generation.

Kein anderer Filmschaffender hat sich so konsequent an der Elterngeneration und ihren Erfahrungen im Nationalsozialismus abgearbeitet wie Nico Hofmann. Er hat das Modell der emotionalisierten, höchst publikumswirksamen – und von der Kritik kontrovers diskutierten – Filmdarstellung deutscher Geschichte im Grunde erfunden; von der Dokufiction Der Krieg meines Vaters (1985) bis zu dem Weltkriegsepos Unsere Mütter, unsere Väter (2013). Die Rolle des Sohnes, der aus dem Schatten übergroßer Vorbild- und Vaterfiguren wie Bernd Eichinger oder Götz George treten muss, zieht sich wie ein roter Faden durch sein Buch.

Es wäre ein Leichtes, die fast wortgleichen Wiederholungen von Sätzen, Sentenzen und Thesen in dieser Autobiografie aufzuzählen. Und genauso leicht, einen gewissen Hang zur Plattitüde zu bemängeln. Auch ließe sich einwenden, dass das Aufrechte der Hofmannschen Demokratieverteidigung bisweilen schon sehr aufrecht daherkommt. Aber ganz ehrlich: Es gibt momentan Schlimmeres.

Nico Hofmann (mit Thomas Laue): Mehr Haltung, bitte! C. Bertelsmann Verlag, München 2018; 240 S., 20,– €