Hanna Jacobs, 29, ist Vikarin im niedersächsischen Selsingen. Im Wechsel mit der katholischen Theologin Alina Oehler schreibt sie, wie sie als junge Geistliche ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Mindestens zwei Katholiken und eine Baptistin sollte jeder evangelisch-landeskirchliche Christ in seinen Handykontakten haben. Umgekehrt gilt das natürlich genauso. Man kann dabei jede Menge lernen. Letztes Jahr zum Beispiel begegnete mir in einer litauischen Kirche ein Bild von Jesus, dem buntes Licht aus den Händen strahlt. Mit den mir bekannten Symbolen konnte ich es nicht erschließen. Ich schickte meiner katholischen Kolumnenkollegin Alina Oehler ein Foto und erfuhr von der heiligen Faustina und ihren Visionen von der göttlichen Barmherzigkeit. Für mich ist so etwas eine Bereicherung, denn in meiner religiösen Sozialisation kamen genau zwei Heilige vor, Sankt Martin (der mit dem Martinssingen) und Franz von Assisi (der mit dem Gesangbuchschlager "Laudato si").

Es sind die ökumenischen Kontakte im Alltag, die Vorurteile abbauen und an die vielen Gemeinsamkeiten erinnern. Und Vorurteile gibt es erstaunlicherweise auch im Informationszeitalter noch genug. Frauen hätten in der katholischen Kirche nichts zu sagen, heißt es dann. Und immer wieder habe ich Protestanten sagen hören, dass ›den Katholiken‹ die Bibel ja nicht so wichtig sei. Wer so etwas behauptet, kennt meist keine katholischen Christen persönlich, denn sie waren es übrigens, die die basisdemokratische Methode des Bibelteilens entwickelt haben. Hier helfen die kurzen Wege der WhatsApp-Ökumene. Kaum jemand setzt sich doch hin und liest die Denkschriften und Enzykliken der jeweils anderen Konfession. Aber ein "Glaubst du überhaupt an das Fegefeuer?" oder "Wie betest du eigentlich?", das ist schnell gefragt und persönlich beantwortet.

Für mich ist dieses ökumenische Netzwerk, das seit dem Studium durch einzelne Begegnungen ebenso gewachsen ist wie durch Kongresse und die Twitter-Community, ein wichtiger Lernort. Es ist ein Schatz, wenn ich an einem schwierigen Tag die Nachricht bekomme, dass in der Klosterkirche eine Kerze für mich brennt. Und es macht Spaß, sich in der Sprachschule namens Ökumene gegenseitig die geistlichen Vokabeln beizubringen, die für die eigene Tradition besonders wichtig sind. Auch im Glauben kann man mehrsprachig sein, ohne seine Muttersprache zu verlernen. Im Gegenteil – nichts schärft den Blick für die eigenen konfessionellen Kostbarkeiten so sehr wie der freundschaftliche Austausch mit Christenmenschen anderer Glaubensschulen. Machen wir uns die Ökumene, wie sie uns gefällt!

Reden wir mehr zusammen, aber essen und feiern wir auch dabei! Ökumene sollte richtig Spaß machen. Und den werde ich auf dem Katholikentag ganz sicher haben. Dort mache ich nämlich zusammen mit einer katholischen Theologin bei einem Barcamp zu mehr Leichtigkeit in der Ökumene mit, und die ist nicht nur bibelfeste Feministin und tätowiert dazu, sondern hat ihrer Kirche auch jede Menge zu sagen.