Was für ein Verbot von Trinkhalmen aus Plastik spricht? Man gebe in eine Suchmaschine im Internet die Wörter "Strohhalm" und "Schildkröte" ein. Dann hat man die Antwort. Ein Video, aufgenommen in Costa Rica, zeigt eine Meeresschildkröte, aus deren Nasenloch ein Stück Plastik ragt. Helfer ziehen den verbogenen Strohhalm mit einer Zange heraus, etwa zehn Zentimeter lang ist er, das Tier windet sich vor Schmerzen und blutet stark. Und das nur, weil irgendein Mensch auf der Welt sein Kaltgetränk mit einem Kunststoffhalm schlürfen wollte.

Alleine innerhalb der EU werden laut einer Studie der internationalen Umweltschutzorganisation Seas at Risk jedes Jahr 36,4 Milliarden Einwegstrohhalme benutzt und weggeworfen. Längst nicht alle landen in der Müllverbrennungsanlage. Dem Umweltbundesamt zufolge gehören auch an deutschen Stränden Strohhalme, neben Zigarettenstummeln, Lebensmittelverpackungen und Plastikflaschen, zum am häufigsten gefundenen Abfall. Von den geschätzt bis zu 12,7 Millionen Tonnen Kunststoffmüll, die weltweit jährlich ins Meer gelangen, machen Plastikstrohhalme zwar nur einen kleinen Teil aus – aber einen, der sich leicht vermeiden ließe. Trinken geht ja in den allermeisten Fällen auch ohne Halm ganz gut. Nichtregierungsorganisationen wie Lonely Whale aus den USA fordern deshalb schon lange die Abschaffung der Strohhalme, unter dem Hashtag #stopsucking wirbt die Stiftung für ein Verbot. Auf politischer Ebene findet die Forderung allmählich Widerhall: Die schottische Regierung kündigte im März an, als erstes Land in Europa Einweghalme aus Kunststoff komplett verbieten zu wollen, im April zog die britische Regierung nach. Voraussichtlich ab Ende kommenden Jahres soll es auf der Insel keine Trinkhalme aus Plastik mehr geben.

In Deutschland fehlt der Mut für einen derart radikalen Schritt bislang. Selbst die Grünen scheuen sich, ein Verbot zu fordern. Die Partei ist noch traumatisiert vom "Veggie-Day", jener Idee eines fleischfreien Tages pro Woche, die von ihren Gegnern im Bundestagswahlkampf 2013 als obrigkeitsstaatlicher Fleischbann interpretiert wurde und den Grünen das Wahlergebnis verhagelte. Beim Thema Plastik will man nun vorsichtiger sein und fordert statt eines Verbots lieber eine Steuer auf Einwegartikel, auf dass der Geiz der Konsumenten das Problem lösen möge.

Die Entscheider der EU wollen sich darauf nicht verlassen. Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans möchte besonders gegen Wegwerfartikel wie den Plastikstrohhalm vorgehen – dieser werde "gerade mal fünf Minuten gebraucht. Aber es dauert 500 Jahre, bis das Material sich zersetzt hat", sagte er im Januar in Straßburg. Nun gibt es einen neuen Richtlinienvorschlag, den die Kommission Ende Mai beschließen will. Sie fordert darin ein Verbot von Einmalartikeln aus Kunststoff wie Plastikgeschirr, Wattestäbchen – und eben Strohhalmen. Ob es tatsächlich kommt, ist allerdings noch offen.

Einstweilen kann jeder selbst etwas tun. Wer auf den Halm partout nicht verzichten will, kann längst zu Alternativen greifen; es gibt sie aus Glas, Metall, Papier, Bambus und sogar aus Stroh. Oder man lässt es ganz bleiben und bittet den Kellner beim nächsten Barbesuch: "Für mich ohne Strohhalm."