Die Frage, ob sich der Mensch ändern lässt, wirkt auf den ersten Blick womöglich absurd. Schließlich hat sich der Homo sapiens von seinem ersten Auftreten bis zum heutigen Menschen massiv verändert. Wahrscheinlich sind die Unterschiede zwischen den Heutigen und den Vorgestrigen weit zahlreicher als die Gemeinsamkeiten, egal ob es um das alltägliche Verhalten, die Religion, die Familie oder um Mobilität und Ernährung geht.

Spannend wird die Frage nach der Veränderbarkeit des Menschen erst da, wo es gewissermaßen gegen die Fließrichtung seiner Bedürfnisse geht, nicht um mehr Essen, mehr Konsum, mehr Bequemlichkeit, mehr Sex. Die ganze Wahrheit über die Conditio humana findet sich wohl nur flussaufwärts, da, wo es um das Weniger geht, um Verzicht, dort, wo das Wollen mit dem Sollen kollidiert.

Wenn man die Geschichte der Menschheit auf eine ganz knappe Formel bringen wollte, so würde sie lauten: Der Mensch hat sich von einem Wesen, das Mangel litt und Verzicht üben musste, jedenfalls in den reichen Ländern des Westens zu einem Wesen des Überflusses entwickelt und steht jetzt vor der alles entscheidenden Frage: Geht auch ein Schritt zurück? Oder wenigstens ein halber?

Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt, in einem historischen Moment, da der Mensch die Welt so sehr verändert hat und weiter verändert, dass man sich um diese Welt ernste Sorgen machen muss. Mit anderen Worten: Wenn der Mensch noch lange so weitermacht, kann er nicht mehr lange so weitermachen.

Also: Lässt sich der Mensch ändern?

Nach einem halben Jahrhundert wachsenden ökologischen Bewusstseins, seit man weiß, dass die Erde endlich und die Biosphäre äußerst verletzlich ist, lautet die Antwort auf diese Frage: bislang nein. Wachsendes ökologisches Bewusstsein hat unterm Strich keineswegs zu immer besserem ökologischem Verhalten geführt.

Die leichteste und zugleich resignativste Erklärung für diese, nun ja, etwas irre Entwicklung wäre: Der Mensch ist halt so, er vermag sich nicht aus der Gravitation jenes Gierwesens zu lösen, das seit dem Pleistozän die Erde Stück für Stück erobert. Anders gesagt: Der alte Adam mag sich nicht ändern.