Robert Habeck, der Mann, der als Bundesvorsitzender die Grünen neu erfinden soll, ist gegenwärtig noch Umweltminister in Schleswig-Holstein und darum zuständig für das alte Heizkraftwerk von Vattenfall in Wedel. Der Schadstoffausstoß dieses Kraftwerks ist nur ein sehr kleines Umweltproblem, und auf lange Sicht ist es auch gelöst, denn das Kraftwerk soll ersetzt werden. Bis dahin aber bietet es eine Gelegenheit, den Umweltpolitiker Habeck besser kennenzulernen.

Es geht um Flocken, die inzwischen seit nahezu zwei Jahren aus den Schornsteinen des Kraftwerks auf seine unmittelbare Umgebung rieseln und nach Angaben der Anwohner den Lack ihrer Autos und die Glasdächer ihrer Wintergärten verätzen.

Tun sie das wirklich? Längst steht Aussage gegen Aussage, Gutachten gegen Gutachten, und es läge nahe zu vermuten, dass ein grüner Umweltpolitiker in einem solchen Konflikt auf Klärung dringt.

In der vergangenen Woche ist Habeck nun einmal selbst nach Wedel gekommen, um mit den Kraftwerkskritikern zu reden. Und, siehe da, der Grüne hält alle Fragen bereits für beantwortet. "Die Lackschäden kommen nicht vom Kraftwerk", verkündete Habeck, und woher sie denn sonst stammen könnten, das herauszufinden sei nun wirklich nicht die Aufgabe seiner Mitarbeiter.

Es gibt hier ein Umweltproblem, aber es geht mich nichts an – für einen grünen Umweltminister ist dies, vorsichtig formuliert, eine überraschende Position. Auch dass Habeck sich blind auf ein Gutachten des Kraftwerkbetreibers Vattenfall verlässt, ist für einen Grünen ungewöhnlich. Wären die Umweltpolitiker der Generation von Joschka Fischer zu ihrer Zeit mit den Atomanlagen in Hanau so verfahren, die Geschäfte der Atomkonzerne wären besser gelaufen.

Wahrscheinlich wird irgendwann geklärt, wer in Wedel wen mit welchen Substanzen berieselt. Die Stadt will die Frage untersuchen lassen. Wenn eine Antwort vorliegt, wird Robert Habeck allerdings wohl nicht mehr Umweltminister sein. Und der Streit um den Wedeler Partikelregen ist zu klein und zu unwichtig, als dass er fürchten müsste, davon irgendwann eingeholt zu werden.