Kinder lieben das Risiko. Was die Kleinen selbst schon immer wussten, haben die Großen kürzlich erst herausgefunden, in einer Studie des Max-Planck-Instituts. Die Wissenschaftler konfrontierten Kinder und junge Erwachsene im Alter von acht bis 22 Jahren mit Glücksspielen, bei denen es Geld zu gewinnen gab. Die Teilnehmer mussten sich für eine Variante des Spiels entscheiden, ohne über alle notwendigen Informationen zu verfügen.

Kinder erwiesen sich als risikofreudiger. Oft lehnten sie Infos gar ab, die sie vor Fehlentscheidungen hätten bewahren können. Motto: Ich weiß schon, dass ich keine Ahnung habe, was ich tue.

Insofern könnte die Schaukel auf dem Spielplatz im Park Planten un Blomen von Kindern gebaut worden sein. Sie ist so konstruiert, dass die Schwingungen die Schaukler zu einem gemeinsamen Mittelpunkt sausen lassen. Bei richtiger (Eltern würden sagen: falscher) Taktung kommen sich die Beine der Schaukelnden gefährlich (Kinder würden sagen: erfreulich) nah.

Aus Sicht der Wissenschaft hätte die Schaukel als interessantes Forschungsobjekt dienen können: Die Kinder kreischen nämlich vor Spaß, wenn sie durch die Luft aufeinander zu rauschen, während die Erwachsenen dazwischenstehen und fast einen Nervenzusammenbruch bekommen. Statt aufwendigem Studiendesign ein Tag auf dem Spielplatz: Die Forscher vom Max-Planck-Institut hätten bei ihrer Risikoforschung eine Menge Geld sparen können.

Nachfrage beim für den Park zuständigen Bezirksamt Mitte: Was hat es mit der Schaukel auf sich? Sogleich bestätigt Sprecherin Sorina Weiland dem Rechercheur, auf der richtigen Fährte zu sein: Gerade erst habe eine besorgte Mutter wegen ebenjener Schaukel angerufen.

Weiland erklärt, es handle sich um ein "historisches Modell", das man "heute so wahrscheinlich nicht mehr bauen würde". Warum es damals dergestalt konstruiert wurde, kann auch die Sprecherin nicht beantworten. Genau genommen passe die Schaukel aber ganz gut zum Spielplatz. Der sei ja bekanntermaßen der Spielplatz Hamburgs, hoch frequentiert von Kindergärten und Schulklassen und ausgestattet mit den individuellsten Geräten der Stadt. In der Tat gibt es so eine Hochrisikoschaukel wohl sonst nirgends.

Ob es denn schon mal gekracht habe? "Auch wenn es etwas gefährlich aussieht", sagt Weiland, sei ihr davon nichts bekannt. Der technische Leiter des Parks habe die Kettenlänge eigens noch einmal überprüft: Eine Karambolage sei technisch unmöglich.

Die anwendungsorientierte Forschung der Kinder ist da schon weiter: Fußkollisionen werden durchaus beobachtet – aber in der Regel mit einem lauten Lachen beantwortet.