In der Kolumne "Zeitzeichen" schreibt der Reporter Ulrich Stock regelmäßig aus dem Redaktionsalltag von ZEIT und ZEIT ONLINE.

Bei der ZEIT gibt es eine Wabenhaltung. Die meisten Redakteure hocken allein in ihrer Stube mit einem Fenster zur Straße und einer Tür zum Flur. Lange bestand die Tür aus Holz und kannte zwei Zustände: auf oder zu.

Meistens war sie auf. Auf hieß: Herein, herein, was gibt’s? Das war sehr einladend, und man konnte kurz vorbeischauen, um dies und das zu bereden. Gedankenaustausch! Darf in einer Wochenzeitung ja nicht zu kurz kommen.

War die Tür zu, hieß das: Bitte nicht stören! Zu klopfen traute man sich dann kaum. Drinnen wurde über komplexe Sachverhalte geschrieben, möglicherweise unter Zeitdruck, da mussten passagere Ansinnen zurückstehen.

Vielleicht wurde hinter verschlossener Tür auch nur ein Nickerchen gemacht. Es hatte ja keinen Sinn, nach Worten zu suchen, wenn die Lider sich schlossen. Da legte man sich lieber einen Moment hin. Hier und da half ein Sofa beim Kraftschöpfen. Manchmal konnte man von nebenan ein Schnarchen hören.

Das Tür-auf-Tür-zu-System bewährte sich über Jahrzehnte hinweg; dann wurde es abgeschafft. Denn die Gegenwart verlangte nach Transparenz. Glastüren ersetzten die Holztüren, zum Teil gegen erbitterten Widerstand aus der Stube. Er war vergeblich.

Schnarchende Kollegen hört man heute nicht mehr. Jetzt sieht man welche in der Nase bohren.

Ist Glas statt Holz also ein Erfolg? Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Redaktion blickt mehr durch als früher, dafür ist sie weniger ausgeschlafen.

Man kann nicht alles haben.