Besonders spektakulären Bildern widmen Auktionshäuser manchmal einen Einzelkatalog. Gerade die großen Auktionshäuser haben schon kiloschwere Publikationen mit durchaus wissenschaftlichem Anspruch drucken lassen. Nun gibt auch der Berliner Versteigerer Grisebach dem Toplos seiner Frühjahrsauktionen eine eigene Publikation mit: dem Frauenbildnis Ägypterin (1942) von Max Beckmann. Bis zu zwei Millionen Euro soll das kleine Bild einbringen, deshalb würdigt es ein Text des ehemaligen Leiters des Berliner Museums Hamburger Bahnhof, Eugen Blume. Er geht auch auf den Vorbesitzer ein – den Kunsthistoriker Erhard Göpel (1906 bis 1966), dessen Erben das Bild zur Auktion gegeben haben. Dass Blume lange mit der Familie befreundet ist und Schenkungen an die Nationalgalerie vermittelt hat, erwähnt der Katalog nicht. Blume bezeichnet Göpel zwar als eine umstrittene Figur der deutschen Kunstgeschichte. Seine Rolle als Beschaffer von Raubkunst aus vor allem jüdischem Besitz wird allerdings nur kurz abgehandelt: "Von Amsterdam aus hat Göpel vorrangig den Kunsthandel nach verfügbaren Werken für das von Hitler geplante Museum sondiert." Danach referiert Blume lange Aussagen anderer Kunsthistoriker, denen zufolge Göpel Künstlern geholfen und Bilder vor der Beschlagnahme gerettet habe.

Tatsächlich ergaben Recherchen der Kunsthistoriker Christian Fuhrmeister vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München und Susanne Kienlechner, dass Göpel keinesfalls nur "sondierte", sondern auch aktiv Bilder beschaffte. Den Einsatz für einzelne Verfolgte bestätigen Fuhrmeister und Kienlechner. Sie sagen aber auch, dass "man den Verdacht nicht ausräumen kann, dass Göpel nur oder vor allem dort Hilfe gewährte, wo er einen Vorteil für sich oder den 'Sonderauftrag Linz' vermutete". Beckmanns Ägypterin, die Göpel direkt vom Maler kaufte, ist sicher keine NS-Raubkunst. Umso unverständlicher, dass das Auktionshaus seinen Katalog nicht nutzt, um transparent über den Vorbesitzer zu informieren. Die Chance hat der Berliner Beckmann-Katalog vertan.