Wenn ein Abonnement gekündigt wird, ist das für eine Redaktion immer ein trauriger Anlass. Ist der Grund für die Kündigung der Tod eines Menschen, wird man nicht nur traurig, sondern nachdenklich: Welcher Mensch verbirgt sich wohl hinter dem Namen? Welche Lebensgeschichte ist hier zu Ende gegangen? Als ich den Namen Birgitta Mogge-Stubbe kürzlich auf einer Abokündigung las, war ich nicht nur nachdenklich, sondern erschrocken. Birgitta Mogge-Stubbe war über Jahrzehnte eine Institution des "Rheinischen Merkur" in Bonn, aus dem nach der Einstellung im Jahr 2010 schließlich Christ&Welt als Beilage der ZEIT hervorging.

Birgitta Mogge-Stubbe war zu diesem Zeitpunkt bereits in Rente. Mehr als zwei Jahrzehnte verantwortete sie die Bildungsseite des "RM" und betreute die Hospitanten und Volontäre – einer davon war ich. Stets in Schwarz gewandet, war Mogge-Stubbe eine Frau der Zurückhaltung und der Etikette. Sie sprach leise, liebte Literatur und sehnte sich heimlich nach Berlin, der Stadt ihrer Träume. Umso härter war es für sie, dass das Schicksal sie nach Wachtberg bei Bonn verschlagen hatte. Dort lebte sie mit ihrem Mann Heinrich Stubbe, der nach Krieg und Gefangenschaft mithalf, die evangelische Wochenzeitung "Christ und Welt" zu einer der wirkmächtigsten Publikationen der jungen Bonner Republik zu machen. Später dann, als die Wochenzeitung "Christ und Welt" im "Rheinischen Merkur" aufging, war Heinrich Stubbe über viele Jahre Chef vom Dienst beim "RM".

Einmal habe ich die beiden in ihrem Haus im Zukunftsweg besucht. Heinrich Stubbe war damals schon schwer krank. Seine Frau Birgitta pflegte ihn hingebungsvoll. Als Birgitta dann selbst schwer erkrankte, war Heinrich bereits einige Jahre tot. Birgitta ertrug die Krankheit, wie mir Kollegen erzählten, die sie länger kannten und ihr näher standen, mit der stoischen Zurückhaltung, die typisch für sie war. Vor drei oder vier Jahren habe ich Birgitta Mogge-Stubbe noch einmal gesehen. In einem ZDF-Beitrag über selbstbestimmtes Sterben war das. Birgitta Mogge-Stubbe trug ein Kopftuch, war sehr schmal und sprach von Selbstbestimmung und Erlösung. Ein Arzt war bei ihr und hielt ihre Hand. Was, wenn sie nicht mehr könne?, fragte Birgitta den Arzt.

Vor ein paar Tagen rief Birgitta Mogge-Stubbes Bruder an. Auch er sprach von Selbstbestimmung und Erlösung. Seine Schwester, erzählte er, habe sich in Bonn nie wohlgefühlt. Sie wollte dort nicht sterben. Und das ist sie auch nicht: Kurz nach dem ZDF-Beitrag verkaufte sie das Haus in Wachtberg und zog nach Berlin, in die Stadt ihrer Träume. Dort sei sie aufgeblüht, sagte ihr Bruder. So trotzte sie der Krankheit noch einige Jahre ab. Eine Kämpferin sei sie gewesen. Wahrscheinlich war sie das schon immer.