Zehn Jahre lang haben Carsten, 34, und Georg Busch, 63, auf diesen Moment gewartet. Dass er endlich da ist, merkt Carsten Busch im Keller seines Hauses an seiner PlayStation. Er installiert gerade ein Update. "Noch 64 Stunden", meldet die Konsole. Und wenig später: "Noch 19 Sekunden."

Was für die meisten Städter völlig normal klingt, war für Carsten Busch und seinen Vater Georg Busch lange Zeit ein Traum. Wie noch immer Millionen Menschen in Deutschland mussten sie in ihrem Dorf ohne schnelles Internet auskommen.

Nur etwas mehr als jeder dritte Haushalt auf dem Land verfügt über eine Breitbandverbindung mit einer Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde. Diese Zahlen veröffentlichte erst kürzlich das Institut der deutschen Wirtschaft.

Die besonders schnellen Glasfaserverbindungen sind noch seltener. In einer Statistik der OECD, die im vergangenen Juni erschien, lag Deutschland mit einem Glasfaseranteil von knapp über zwei Prozent auf einem der letzten Plätze – weit unter dem Durchschnitt von 20 Prozent und hinter der Türkei, Slowenien oder der Tschechischen Republik.

Auch im Münsterland, rund um die Siedlung Ahaus-Ottenstein, wo Georg Busch mit seinem Sohn Carsten lebt, hat bis heute kein Haushalt außer ihnen schnelles Internet. Dass ein Techniker schließlich ihre Leitung freischaltete, haben sie sich selbst zu verdanken: Wie viele andere Bürgerbewegungen in Deutschland beschlossen sie, sich selbst schnelles Internet zu besorgen.

Wenn die Buschs vor einigen Jahren Bekannten von ihrem Plan erzählten, das schnelle Internet aufs Land zu holen, kam manchmal die Gegenfrage: "Aber warum denn? Ihr habt doch Internet." Es war viel Überzeugungsarbeit nötig, denn vor zehn Jahren gab es kein Netflix, und für die meisten Dienste reichte eine stabile ISDN-Leitung aus. Ihr Argument für eine Breitband-Verbindung, das sie immer wiederholten, war: "Es wird irgendwann wichtig sein."

Nach zehn Jahren löste ein selbst verlegtes Glasfaserkabel den alten ISDN-Anschluss ab. © Jasper Bastian für DIE ZEIT

Die Buschs mussten nur ihre Nachbarn überzeugen – aber wie?

Vater und Sohn waren von diesem Argument schon überzeugt, lange bevor die Parteien im Deutschen Bundestag darüber diskutierten.

Carsten Busch hat Wirtschaftsinformatik studiert. Wenn er während des Studiums ein Skript herunterladen wollte, musste er zu Freunden in die Stadt fahren. Sein Vater Georg ist Rentner. Er hat lange als Ingenieur für Siemens in der Entwicklungsabteilung gearbeitet. Dank einer seiner Erfindungen waren Handys plötzlich nicht mehr so groß wie Hundeknochen, sondern passten in jede Hosentasche. Mit der Glasfaser-Technologie hat Busch sich schon in seiner Diplomarbeit beschäftigt. Seinen ersten Internetanschluss hatte er in den achtziger Jahren.