Hat Robert Mackenzie damit gerechnet, dass Großbritanniens Wirtschaft leiden würde, als er für den Brexit stimmte?

Ja, sagt er, während vor dem Fenster der Regen auf den Hof des Familienbauernhofs am Fuße der schottischen Highlands fällt.

War ihm klar, dass der Ausstieg aus der EU seinem eigenen Geschäft schaden könnte?

Auch davon sei er ausgegangen, antwortet der 35-Jährige. Den ganzen Unfug – er wedelt mit der Hand –, die Propaganda von angeblich 350 Millionen Pfund, die jede Woche ins Gesundheitssystem fließen würden, wenn die Zwangszahlungen an Brüssel endeten, den habe er keine Sekunde geglaubt.

Überzeugt ist der Jungunternehmer von etwas ganz anderem: davon, dass ein Land wie Großbritannien die EU nicht braucht, um in einer Welt erfolgreich zu sein, in der räumliche Distanzen immer weniger wichtig werden. Es ist nicht zuletzt seine eigene Geschichte, die Mackenzie glauben lässt: Hält sich die EU heraus, geht vieles sogar schneller und unkomplizierter. Selbst von einem entlegenen Flecken in Nordschottland aus lässt sich Handel mit der ganzen Welt betreiben – es braucht nur eine gute Idee und Machergeist.

Der Glaube an ein neues "Global Britain", also daran, dass die Insel nach dem EU-Ausstieg neue Partnerschaften finden kann, beseelte viele "Brexiteers" von Anfang an. Nun müssen auch die anderen Briten diese Hoffnung teilen. Es nutzt nichts mehr, den Brexit zu beklagen, denn ein Zurück wird es – aller Voraussicht nach – nicht geben. Jetzt müsse man, sagen viele, das Beste daraus machen.

Aber was kann dieses Beste realistischerweise sein? Die Regierung von Theresa May denkt pragmatisch. Sie glaubt, einer der neuen engen Handelspartner Großbritanniens könne doch die EU werden, zum Beispiel durch eine Zollunion, über deren Form noch verhandelt werden müsse. Die EU hingegen denkt prinzipiell. Sie hielte dies für ein falsches Entgegenkommen. Warum Großbritannien binnenmarktähnliche Privilegien gönnen, wenn das Land im Gegenzug nicht bereit ist, Clubpflichten zu übernehmen?

Derweil haben die meisten Briten keine Zeit, darauf zu warten, wie dieser Interessenkonflikt in ein, zwei oder drei Jahren gelöst werden wird. Sie müssen sich jetzt neu orientieren. Was dabei Zweckoptimismus und Illusion ist, wissen sie oft selbst nicht so genau.