Da ich – anders als FDP-Chef Christian Lindner, der sich im Bäckerwesen blendend auskennt – Sohn eines Konditormeisters und Bruder zweier Cafébesitzer aus Saarbrücken bin, möchte ich Folgendes festhalten:

Man kann in einem Café in der Schlange nicht unterscheiden, wenn einer mit gebrochenem Konditorisch eine Schwarzwälder Kirschtorte bestellt, ob das der hoch qualifizierte Wertschätzer gehobener Patisseriekunst aus Gresaubach ist oder eigentlich ein sich in einer Konditorei illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Bäckereifachverkäufer aus Einöd. Damit die Kundschaft befriedet ist, müssen die anderen, die in der Reihe stehen, damit sie nicht diesen einen schief anschauen und Angst haben, müssen sich alle sicher sein, dass jeder, der sich in einer Konditorei aufhält, nicht nur die Fähigkeit besitzt, einen Butterkuchen zu bestellen, sondern auch über Mittel verfügt, ihn zu bezahlen. Die Menschen müssen sich sicher sein, auch wenn jemand aussieht wie eine fünf Tage alte Coppenrath & Wiese-Torte, dass es keine Zweifel gibt an seiner Vorliebe für Rhabarber-Baiser und Elsässer Apfel. Das ist die Aufgabe einer fordernden, backweltoffenen Kuchenpolitik. Petits Fours first, Bedenken second.