Wer regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs ist, kennt das Gefühl: Eine ebene Straße, eine grüne Ampel, der Fahrflow setzt ein, das lockere Überholen geht über in Schweben. Bis zur nächsten Steigung, bis zum nächsten Schalten, wenn aus dem Schweben ein anstrengendes Treten wird – und jene, die zuvor am Straßenrand stehen zu bleiben schienen, dank einer batteriebetriebenen Antriebshilfe plötzlich schweißfrei und lächelnd vorbeiziehen.

Ob als Sportgerät am Berg oder für den täglichen Weg zur Arbeit: Das E-Bike beflügelt – auch den Fahrradmarkt. Elektrische Fahrräder sind schnell, gesund, ermöglichen jedem und jeder, weite Distanzen zurückzulegen, und sorgen dafür, dass niemand mehr verschwitzt im Büro ankommen muss. Auf Strecken zwischen fünf und zehn Kilometern gelten sie als schnellste Verkehrsmittel, kein Wunder, dass sie immer beliebter werden.

E-Bike-Fahren sei der einzige Trend, sagen Hersteller, der von einem älteren Bevölkerungssegment zu jüngeren Gruppen übergesprungen sei. Waren es anfangs vor allem Senioren, so treten heute auch schon die Mittzwanziger gern in die elektrisch unterstützten Pedale. Das zeigt sich auch in der Nachfrage: Österreich, Deutschland und die Schweiz sind neben den Niederlanden derzeit die Hauptabsatzgebiete für E-Bikes. Der Handel meldet jedes Jahr zweistellige Zuwachsraten. Fast jedes dritte neue Fahrrad in Österreich hat einen kleinen elektrischen Antrieb, so viele, wie noch nie. 120.000 Pedelecs, so ihr technischer Name, wurden hierzulande im vergangenen Jahr verkauft. 67.000 davon waren E-Mountainbikes, der Rest Räder für den Stadtverkehr oder für Touren.

Doch ein Radboom allein macht noch keine Fahrradnation. So wie etwa die Niederlande eine sind. Den Alpenländern fehlt dafür ein politischer Plan. Obwohl die Ziele durchaus ambitioniert klingen: Der Anteil der Radfahrer im österreichischen Verkehr soll bis 2025 auf 13 Prozent erhöht werden – das wäre doppelt so viel wie heute. So steht es in der Klimastrategie der schwarz-blauen Regierung.

Kosten soll das aber nichts. Momentan sind im Budget jährlich gut 600 Millionen für "Umwelt, Energie und Klima" vorgesehen, wozu auch der Radverkehr zählt. Dabei bleibe es vorerst, ließ die zuständige Umweltministerin Elisabeth Köstinger von der ÖVP wissen.

Eine wirksame Radpolitik gehe allerdings immer zulasten des Autos, sagt Roland Romana von der Radlobby, einem Dachverband der österreichischen Fahrradvereine. Und das sei ein politisches Dilemma: "Radpolitik ist immer auch Angebotspolitik." Der Staat müsse von sich aus Anreize für den Umstieg aufs Fahrrad schaffen, fordert Romana. Das beginnt bei der Gesetzgebung. Denn in Österreich haben Radfahrer gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern grundsätzlich einen "Sondernachrang", sagt Romana. "Die Straßenverkehrsordnung ist teils noch in den sechziger Jahren stecken geblieben."

Auch die Infrastruktur muss neu gedacht werden, soll das Radfahren wirklich befördert werden. Bis 2030 müsse man mindestens drei Milliarden Euro in die Hand nehmen, meint Romana. Es bräuchte flächendeckend Ladestationen, sichere Abstellplätze, damit die teuren Fahrgeräte nicht gestohlen werden, und nicht zuletzt breitere Radwege, auf denen schneller gefahren werden kann.

Das mit der Geschwindigkeit ist allerdings so eine Sache: Es geht um Zulassungen und um Regulierungen. Für Stefan Vollbach vom Vorarlberger Fahrradhersteller Simplon hat das sogar zur Folge, dass er eine von zwei Grundvarianten seiner E-Bikes ausschließlich in der Schweiz verkauft.

Denn bei Pedelecs werden zwei Kategorien unterschieden. Jene, die nicht mehr als 25 Stundenkilometer und 250 Watt erreichen, auf der einen und die bis zu 45 Stundenkilometer schnellen und 1.000 Watt starken S-Pedelecs auf der anderen Seite. Für die schnellen Treter gilt Helmpflicht, man benötigt eine Nummerntafel sowie Haftpflichtversicherung.