Er geht den Bürgersteig entlang wie jeden Morgen, von der Kieler Straße runter nach Eimsbüttel, sechsspurig fahren die Autos neben ihm, er schiebt seinen Rollator. Nach zehn Minuten biegt er links in einen kleinen Pfad, ein griechisches Restaurant, daneben ein Damenfriseur, daneben sein Laden, der HerrenFriseur heißt, den seine Kunden aber anders nennen: HSV-Friseur. Er stellt den Rollator gegenüber an eine flache Hecke, holt seine Schlüssel raus, wie jeden Morgen. Er schließt seinen Laden auf, knipst das Licht an, erst im Salon, dann im Miniaturstadion, das hinten links in der Ecke steht, sein bester Freund Klaus, den er "mein Klausi" nennt, hat es ihm zusammengebaut, und weil es ihm zu dunkel war, hat er noch eine blau leuchtende Lichterkette eingezogen. Er macht das Radio an, 90,3, das mögen seine Kunden am liebsten, zieht Abendblatt und Bild aus dem Briefkasten, stellt seine grüne Tasche hinter die Theke, in die Tasche hat er zwei Butterbrote mit Bauernmettwurst gepackt, wie jeden Morgen. Er prüft, ob alles am rechten Platz liegt, die Schere zum Schneiden, die Schere zum Ausdünnen, die Rasierklinge, der Rasierpinsel, der Kamm. Ja, liegt es, aufgereiht am oberen Rand des linken Waschbeckens. Er setzt sich auf einen der beiden schwarzen Lederstühle und wartet auf den ersten Mann, der sich von seinem Herrenfriseur die Haare schneiden lassen will.