Der ehemalige Weltmeister und große Schachlehrer Michail Botwinnik, bei dem Karpow, Kasparow und Kramnik "in die Schule gingen", sagte einmal über Anatoli Karpow, dass diesem ein unvergleichliches Talent bereits in die Wiege gelegt worden sei. Damit spielte er auf dessen traumwandlerische Sicherheit an, für seine Figuren die besten Felder auszuwählen. Doch auch Talente müssen geschmiedet werden. Als "Tolja" mit vier Jahren die Schachregeln von seinem Vater erlernte, verlor er naturgemäß auch – und begann zu weinen. In diesem Moment bedeutete ihm sein Vater: "Wenn du weinst, spiele ich nicht mehr mit dir!" Wahrlich eine harte Erziehungslektion, die dieser jedoch verinnerlichte, woraufhin er sich sein berühmtes Pokerface "antrainierte".

Daran musste ich denken, als der inzwischen 66-jährige Karpow, der von 1978 bis 1990 epische WM-Schlachten gegen seine verhassten Rivalen Kortschnoi und Kasparow schlug, im russischen Fernsehen gegen das dreijährige "Wunderkind" Michail Osipov spielte. Dieser bekam Weiß und zehn Minuten Bedenkzeit, Karpow musste mit zwei Minuten für die ganze Partie auskommen. Doch das Unvermeidliche trat ein: Klein-Michail stand zusehends schlechter, zudem rann die Zeit unerbittlich dahin. Schließlich die Niederlage – und ein schluchzendes Kind suchte nur noch nach der Mama.

Und Sie suchen bitte, wie Karpow als Weißer 1993 im spanischen Linares seinen Landsmann Waleri Salow mit einem Opferschlag bezwang!

Lösung Nr. 20:

Wie eroberte Weiß mit seinem fidelen Springer die schwarze Dame? Nach 1.Sg8+! gab Schwarz schon auf, weil er nach 1...Kg6 2.Se7+ Kh6 durch die Springergabel 3.Sf5+ die Dame verlöre. Allerdings hätte auch 1.Sg4+ Kg6 2.Dd6+ in allen Varianten gewonnen