Alina Oehler (26) ist katholische Theologin und Publizistin. Im Wechsel mit der Vikarin Hanna Jacobs schreibt sie, wie sie als junge Christin ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Ich habe seit Kurzem einen neuen Lieblingsheiligen – den Römer Vincenzo Pallotti. Gefunden habe ich ihn aber nicht in der Urbs aeterna, sondern zufällig in Salzburg. Dort verbrachte ich ein paar Tage in einem Tagungshaus der Pallottiner. Die Ordensgemeinschaft war mir bis dahin vor allem aus der Schul- und Bildungslandschaft ein Begriff – viel mehr wusste ich nicht. Und eigentlich war ich auch nicht dort, um etwas darüber zu erfahren.

Doch als ich den Speisesaal betrat, fiel mein Blick sofort auf ein großes ehemaliges Altarbild an der Wand, und ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Dargestellt ist das Pfingstereignis, der Heilige Geist in Gestalt der Taube schwebt über den Aposteln und Feuerzungen regnen auf sie herab. In der Mitte sitzt prominent erhöht Maria und neben ihr zwei Frauen. Dieser weibliche Touch kam mir ungewöhnlich vor, und ich fragte einen der Patres nach den Namen der Frauen. "Das Bild hat Pallotti so in Auftrag gegeben, es sind keine bestimmten Frauen dargestellt – Pallotti ging es immer um das Apostolat aller Getauften." Wann er gelebt hat? "Von 1795 bis 1850." Ich bin fasziniert und will mehr über diesen Italiener wissen. Bereitwillig gibt mir der herzliche Pater unzählige Informationen und einen Stapel Lektüre. Ich verschlinge sie.

Besonders an einer Stelle bleibe ich hängen: "Laien brauchen sich nicht instrumentalisieren zu lassen für kirchliche Zwecke, sie haben eine eigene Sendung, eine eigene Berufung von Gott, in der Kirche und in der Welt als Apostel seiner Liebe." So lautet seine Vision, die damals auf klerikalen Widerspruch stieß. Der Mann wurde später von Johannes dem XXIII. heiliggesprochen, und sein Kirchenbild wird vom Zweite Vatikanum bestätigt.

Schon früh wusste Pallotti, dass er Priester werden wollte. Sein besonderes Interesse galt den Armen und Bedürftigen, um die er sich auf den Straßen Roms bis zur eigenen Erschöpfung kümmerte – und der Mission aller Getauften.

Das ist es, was mich am meisten beeindruckt, wie er bereits damals auch die Laien aktiv miteinbeziehen wollte und wie fremd ihm jeglicher Klerikalismus war. Den damals üblichen Handkuss für Priester umschiffte er am liebsten. Von seiner Vereinigung des "Katholischen Apostolats" wollte er, dass ihre Mitglieder den Glauben unter den Katholiken beleben und ihre Liebe zu Gott und den Menschen neu entzünden. Eine Motivation zur Mission, die in einer immer säkularer werdenden Gesellschaft kaum aktueller sein könnte.

Den Pallottiner-Pater freut es, dass mich die Gedanken aus dem 19. Jahrhundert so begeistern. Er selbst ging als Junge auf eine Pallottiner-Schule und kam so mit der Gemeinschaft in Kontakt. Doch ich weiß jetzt – das geistliche Erbe Vincenzo Pallottis ist so viel mehr als nur Bildungsarbeit.