Vor allem für die Banken steht viel auf dem Spiel, denn nach wie vor werden Finanzgeschäfte weltweit überwiegend in amerikanischen Dollar abgewickelt, und die gibt nun mal die amerikanische Notenbank heraus. Die Angst vor möglichen Repressalien ist in der Finanzbranche so groß, dass die deutschen Kreditinstitute das Geschäft mit dem Iran nach Unterzeichnung des Abkommens gar nicht erst wieder aufgenommen haben. In solchen Fällen sei man als Unternehmer "zwangsläufig erpressbar", sagt Friedrich.

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass die Amerikaner so vorgehen. Im Jahr 1996 – der Präsident hieß Bill Clinton – verhängte die amerikanische Regierung Sanktionen gegen Kuba, die ebenfalls auf ausländische Unternehmen abzielten. Damals reagierte die EU mit einem Abwehrgesetz, welches es europäischen Firmen unter Strafandrohung untersagte, die amerikanischen Sanktionen zu befolgen. Im Prinzip standen Unternehmer also mit einem Bein im Gefängnis: Entweder sie hielten sich an die Brüsseler Vorschriften, dann drohte Ärger mit den Amerikanern. Oder sie hielten sich an die amerikanischen Vorschriften, dann drohte Ärger mit der EU.

Weil das alles in der Praxis häufig nur schwer nachzuweisen ist, kam das Gesetz zwar praktisch nie zur Anwendung. Es hat seinen Zweck dennoch erfüllt: Die europäischen Firmen erhielten von der US-Regierung Ausnahmegenehmigungen, die regelmäßig erneuert wurden. "Das Gesetz war ein politisches Statement, aber ein sehr effektives", sagt Richard Nephew, der unter Obama im Außenministerium für die Sanktionspolitik zuständig war und heute an der Columbia-Universität lehrt.

In Brüssel wird über eine Reaktivierung der Verordnung nachgedacht, die Russen haben eine ähnliche Vorschrift bereits auf den Weg gebracht. Im Gespräch ist auch, dafür zu sorgen, dass die Unternehmen, die trotz der amerikanischen Sanktionen weiter im Iran bleiben wollen, dafür nicht auch noch in ihrem Heimatland bestraft werden – zum Beispiel weil ihnen ihre Hausbank aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen der Amerikaner das Konto kündigt. Damit das nicht passiert, könnten die Banken per Gesetz dazu gezwungen werden, die entsprechenden Zahlungsdienstleistungen anzubieten. In Deutschland müsste das der Bundestag beschließen. Womöglich springt auch die staatliche Europäische Investitionsbank ein.

Zum Showdown könnte es in der Flugzeugbranche kommen. Die iranische Flugzeugflotte ist völlig veraltet, weshalb die Iraner unter anderem bei Airbus neue Maschinen bestellt haben – auch als ein Symbol dafür, dass es vorangeht. Wenn die Maschinen aus Angst vor den Sanktionen nicht geliefert werden, dann wäre das für Ruhani ein Rückschlag. Eine Idee, die in Brüssel diskutiert wird: Wenn die Amerikaner damit drohen, dass Airbus seine Flugzeuge nicht mehr auf dem amerikanischen Markt verkaufen darf, werden die Europäer damit drohen, dass der amerikanische Konkurrent Boeing vom europäischen Markt verbannt wird. Die Bandagen, mit denen gekämpft wird, werden härter, auch hier.

Allerdings muss, was bei Clinton funktioniert hat, bei Trump noch lange nicht funktionieren. Niemand weiß, wie er auf Gegenmaßnahmen der Europäer reagieren würde. Vielleicht wird er erst richtig wütend und droht mit neuen Sanktionen, vielleicht ist er aber auch zu Kompromissen bereit, wenn man ihm entschlossen genug entgegentritt. Diese Woche hat der amerikanische Präsident jedenfalls vollkommen überraschend Unterstützung für den angeschlagenen chinesischen Telekommunikationskonzern ZTE angekündigt, der wegen des Verstoßes gegen frühere Iran-Sanktionen den Betrieb einstellen musste. Die Kehrtwende, hört man in Washington, habe auch etwas damit zu tun, dass die Chinesen damit gedroht hatten, ihrerseits gegen amerikanische Firmen vorzugehen.

Im Bundeswirtschaftsministerium hält man dennoch wenig von einer solchen Konfrontation. Ein Sanktionswettlauf, so sieht man es dort, werde am Ende nur schaden, allen voran den Verbrauchern. "Ich halte wenig davon, sich jetzt gegenseitig mit Drohungen zu überziehen, weil wir auch vermeiden müssen, dass wir in eine Eskalationsspirale hineingeraten", sagt Wirtschaftsminister Altmaier. Er will den Amerikanern also nicht drohen, sondern mit ihnen reden – genauso wie mit den Russen. Deshalb will er den Amerikanern auch ein Angebot machen. Die Idee: Die EU und die USA verpflichten sich gegenseitig, ihre Zölle auf Industriegüter zu senken. Es wäre eine Art TTIP light, eine abgespeckte Version des gescheiterten transatlantischen Freihandelsabkommens.

Die Aussicht auf einen solchen Deal, so geht Altmaiers Hoffnung, könnte Trump davon abhalten, die bereits angekündigten Strafzölle gegen europäische Stahl- und Aluminiumlieferungen zu verhängen, und den US-Präsidenten auch im Sanktionsstreit milde stimmen. In der kommenden Woche treffen sich die europäischen Handelsminister in Brüssel, dann soll nach den Vorstellungen von Altmaier eine gemeinsame Linie verabredet werden. Doch vor allem die Franzosen sind skeptisch. Sie fürchten, dass Trump sich durch Zugeständnisse in seinem aggressiven Kurs bestätigt sehen könnte.