Wie konnte das geschehen? Warum hat der Staatssekretär die Brisanz der Affäre nicht erkannt und nicht sofort seinen Minister informiert? Die Verschleppung ist für Mayer heikel.

Mitte Mai wandte sich Schmid abermals an Seehofer und beklagte sich über ihre Abschiebung nach Bayern. "Eilt – bitte sofort vorlegen" steht auf dem Fax vom 13. Mai. Sie würde gerne weiter in Bremen bleiben, schreibt Schmid, "damit eine lückenlose Aufklärung erreicht werden kann".

Das Bamf hatte schon vor Jahren auf stur geschaltet. Die Klagen über Bremen füllen Aktenordner. Doch statt gemeinsam mit Josefa Schmid aufzuklären, teilte das Bundesamt der Regierungsdirektorin kurz und knapp mit: "Sehr geehrte Frau Schmid, in Abänderung meiner Verfügung vom 27.2. 2018 setze ich Sie aus dienstlichen Gründen mit Wirkung vom 9.5.2018 als Referentin in das Referat 626 (Außenstelle Deggendorf), Dienstort Deggendorf, um."

Als Schmid erwiderte, sie werde gegen die "Umsetzungsverfügung" klagen, ließen ihre Vorgesetzten sie wissen: "Ich weise Sie darauf hin, dass ich mir dienstrechtliche Maßnahmen vorbehalte, sofern Sie dem nicht nachkommen."

Egal, wie das Gerichtsverfahren ausgeht, Schmids Ausführungen, die auf über hundert Seiten dokumentierten Gesprächsprotokolle, E-Mails und eidesstattlichen Versicherungen legen den Verdacht nahe, dass die umtriebige Regierungsrätin dem Bamf lästig geworden ist. Die Affäre ist politisch hochbrisant. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine kleine Personalie zum Sturz von Behördenchefs und Politikern führt. Die FDP fordert bereits einen Untersuchungsausschuss, die Grünen eine Sitzung mit Horst Seehofer und Bamf-Präsidentin Jutta Cordt.

In einer Mitteilung des Bamf an Schmid hieß es am 28. Dezember 2017 noch: "Es ist vorgesehen, Sie nach Zustimmung der Gremien dauerhaft im Referat 560, AZ Bremen, einzusetzen." Am 21. Februar 2018, zweieinhalb Monate vor ihrer Versetzung, erhielt sie aus Nürnberg ein "dickes Lob". Ihren Vorgesetzten gefiel, dass es Schmid gelungen war, die exorbitant hohe Bremer Anerkennungsquote für Flüchtlinge "auf Normalniveau" zu senken.

Doch je mehr Schmid gegen das Bremer Chaos und das große Schweigen anlief, desto mehr rückten ihre Vorgesetzten von ihr ab.

Im April, erklärt Schmid in einer eidesstattlichen Versicherung, habe ihr ein hoher Bamf-Beamter in einem Telefonat gedroht: "Wenn noch ein weiterer Bericht über Sie im Zusammenhang mit dem Bremer Asylskandal veröffentlicht wird, werden Sie abgezogen." Das sei mit dem Bundesinnenministerium so vereinbart. Wollte der große Hardliner Seehofer keinen Ärger?

In einer Telefonkonferenz mit dem Personalrat wurde Schmids Schicksal am Vormittag des 8. Mai besiegelt. In einer weiteren eidesstattlichen Versicherung heißt es, ein daran beteiligter Referatsleiter habe einem Vertreter des Personalrats mitgeteilt, dass Bamf-Präsidentin Cordt gesagt habe, sie lasse sich "nicht weiter von Frau Schmid auf der Nase herumtanzen". Um 18.08 Uhr ging die "Umsetzungsanordnung" als E-Mail in der Außenstelle Bremen ein. Josefa Schmid las sie nach Dienstschluss in ihrem Hotelzimmer.

Mitarbeit: Niklas Dummer