Wie man sich im Büro angemessen kleidet, scheint eine wichtige Frage zu sein. Sie wird zwar selten gestellt (mir jedenfalls), aber sehr oft beantwortet. Etwa neulich in Gestalt eines Artikels im Airport Club -Magazin, das mir unverlangt zugesandt wurde.

Der Text machte mich mit den Grundbegriffen der Bürokleidung vertraut. So bezeichnet "Casual" die elegante Freizeitkleidung mit Jeans und Jackett. Die Unterkategorie "Creative Casual" gestattet "Shirt oder Hemd und Sakko", Lederschuhe oder Sneaker, wohingegen "Smart Casual" Anzug und Hemd verlangt (Krawatte optional), Jeans aber nicht verbietet. Überschneidungen von Creative und Smart Casual sind also möglich, ich nenne sie der Einfachheit halber "Creative Smart and/or Smart Creative Casual". Damit das klar ist, es soll ja keiner rumlaufen wie Oskar aus der Tonne. "Business Casual" heißt Jeans nein, Strickpulli ja, Anzughose und Sakko, während "Business Attire" kompromisslos einen dunklen Zwei- oder Dreiteiler mit Hemd und Krawatte erfordert, allerdings nur "in mittleren Führungsebenen". Achtung: Das gilt natürlich nicht für alle Branchen und Erdteile. In Asien ist alles anders und an der US-Westküste auch. Wer aber nur als einfacher Büromuckel im Inland dient, dem verschafft dieser Überblick völlige Klarheit in Bezug auf das richtige Business-Outfit. Beziehungsweise: Hä? 

Auf den naheliegenden Tipp: "Schau dir einfach deine Kollegen an, dann merkst du schon, ob du in Badehose erscheinen solltest", kommt niemand. Gesunder Menschenverstand scheint im Büro nicht gefragt zu sein. Stattdessen erzeugt die Dresscode-Ratgeberei selbst bei irrelevanten Problemchen eine pseudokomplexe Atmosphäre, der schwache Charaktere früher oder später durch Panikkäufe von Kleidungsstücken zu entkommen versuchen. Etwa dann, wenn sie fürchten, der falsche Blauton im Innenfutter ihres Sakkos könnte sich als Karrierekiller erweisen.