Am Montagabend zogen zwei Männer kurz nacheinander zum Quirinalspalast in Rom. Dort, auf einem Hügel, ist der Sitz des italienischen Präsidenten Sergio Mattarella. Auf dem Weg dorthin belagerten die anwesenden Journalisten die beiden Herren mit einer Frage: "Il nome?", riefen sie. "Il nome?" Sie wollten wissen, welchen Namen die Männer zum Präsidenten trugen, wen sie Mattarella also als neuen Ministerpräsidenten Italiens vorschlagen wollten. Doch es gab keinen Kommentar.

Wenige Minuten nachdem die zwei Männer den Palast wieder verlassen hatten, sickerte der Name durch: Giuseppe Conte. Ein Professor für Privatrecht an der Universität Florenz, in Fachkreisen geschätzt, in der Politik ein unbeschriebenes Blatt.

Kaum einen Tag hielt sich der Name Conte als möglicher Ministerpräsident, da kreisten schon wieder viele Fragezeichen um seine Person. Mattarella zögert, es gibt zu viele Ungereimtheiten in Sachen Conte. Nun müssen sich die beiden Männer auf einen neuen Namen einigen. Bis Redaktionsschluss war nicht klar, wer das sein wird.

Eigentlich ist es aber auch egal, welchen Namen Sergio Mattarella am Ende akzeptiert. Viel wichtiger sind die zwei Männer selbst: Luigi Di Maio und Matteo Salvini. Sie werden zusammen Italien regieren.

Achtzig Tage haben Di Maio, der Anführer der Protestpartei Fünf Sterne (M5S), und Salvini, Chef der rechten Lega, gebraucht, um eine Regierung zu bilden. Dabei haben sie einen sehr weiten Weg zurückgelegt. Die beiden Parteien waren sich nämlich lange Zeit in herzlicher Abneigung verbunden. Der Gründer der Fünf Sterne, Beppe Grillo, hatte Matteo Salvini einmal als "Rassisten, Dieb, Stinktier" beschimpft – und das war nur ein Ausfall unter vielen. Alles vergessen. Die Fünf Sterne und die Lega machen nun gemeinsame Sache. Di Maio und Salvini werden entscheiden, wie genau.

Wer aber sind die beiden? Was verbindet sie? Was trennt sie? Und wie gefährlich sind sie?

Matteo Salvini kam 1973 zur Welt. In seiner Autobiografie schreibt er, es sei das Jahr gewesen, in dem "der Vietnamkrieg zu Ende geht, der italienische Terrorismus die ersten Opfer fordert und mein AC Mailand den italienischen Fußball-Cup gewinnt". Di Maio wurde 1986 geboren, ein Jahr, das für Süditalien, wo er herkommt, von besonderer Bedeutung war. In Palermo begann der sogenannte maxiprocesso: Dutzende Mafiosi standen vor Gericht. Zum ersten Mal war die Mafia als Organisation mit einer hierarchischen Struktur und einer Strategie angeklagt. Der maxiprocesso zeigte, wie tief die Mafia die italienische Gesellschaft durchdrungen hatte.