Nina Bott räumt im Garten noch das Kinderspielzeug beiseite, dann lädt sie zum Gespräch in ihr geräumiges Haus am Niendorfer Gehege. Acht Jahre spielte die Schauspielerin eine Hauptrolle in Deutschlands erfolgreichsten Vorabendserie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Zurzeit moderiert die 40-Jährige ein Promi-Magazin und schreibt ein erfolgreiches Blog für Mütter.

DIE ZEIT: Frau Bott, auf welche Ihrer Rollen werden Sie am häufigsten auf der Straße angesprochen?

Nina Bott: Natürlich auf Cora aus Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Die Rolle hat sich eingebrannt, ich war schließlich acht Jahre lang von Montag- bis Freitagabend im Fernsehen zu sehen.

ZEIT: Was sagen die Leute dann?

Bott: In Hamburg ist man zurückhaltender als in Köln. In Köln rufen sie zur Not auch von der anderen Straßenseite: "Hey, Cora, ich kenn dich!" Ich wurde sogar in der Sauna um ein Autogramm gebeten.

"Ich gehe lieber unerkannt durch die Gegend."

ZEIT: GZSZ war die erfolgreichste TV-Serie der Neunziger.

Bott: Sie ist bis heute die erfolgreichste. Aber damals gab es keine Alternativen. Zu Jubiläumssendungen hatten wir manchmal über 35 Prozent Marktanteil – sieben Millionen Zuschauer. Dadurch haben viele Leute das Gefühl, sie kennen mich. Wildfremde grüßen mich im Vorbeigehen. Ich bin aber niemand, der das genießt.

ZEIT: Kein bisschen?

Bott: Klar, wenn ein Restaurant voll ist, der Besitzer aber möchte, dass man bleibt, kriegt man einen Tisch. Aber ich bin kein Mensch, der viel Aufmerksamkeit braucht. Ich gehe lieber unerkannt durch die Gegend.

ZEIT: Wie wird man mit 18 Jahren von der Abiturientin zum Daily-Soap-Star?

Bott: Ich habe schon mit fünf angefangen, in Hamburg als Model zu arbeiten. Mein Bruder und ich wurden in einem Surfladen von einer Agentur angesprochen. Ich war dann sieben Jahre lang auf dem Titel des Otto-Kinderkatalogs. Irgendwann fing ich mit Werbespots an. Das Drehen war mein Ding. 1997 kam die Anfrage für GZSZ. Ich dachte, es geht um eine Episodenrolle, eine Leiche, so was, und fuhr zum Casting nach Babelsberg. Dort fragten sie mich, ob ich mir vorstellen könnte, für ein, zwei Jahre mitzuspielen. Auf einmal wollten die mit mir Fotos machen für Autogrammkarten! Das war direkt nach dem Abi.

ZEIT: Hätten Sie noch einen Plan B gehabt?

Bott: Ich wollte eigentlich jobben und mir eine Schauspielausbildung finanzieren. Meine Eltern hätten das nicht stemmen können.

"Mein Vater rechnete am Monatsende aus, was wir uns noch zu essen leisten können."

ZEIT: In welchen Verhältnissen sind Sie aufgewachsen?

Bott: In sehr liebevollen, ich war aber auch sehr selbstständig. Meine Mutter litt an Depressionen und war alkoholkrank, also habe ich früh angefangen, den Laden zu schmeißen. Es gab Phasen, wo das Geld extrem knapp war. Meine Eltern mussten sich Zuschüsse für Klassenfahrten holen. Mein Vater rechnete am Monatsende aus, was wir uns noch zu essen leisten können. Durch meine ersten Jobs konnte ich die Familie unterstützen.

ZEIT: Sehr viel Verantwortung.

Bott: Ich habe das nicht so empfunden. Ich habe es gern gemacht.

ZEIT: Es ist trotzdem nicht selbstverständlich, dass ein Kind mit seinem ersten Job die Eltern mitfinanziert.

Bott: Das stimmt. Aber meine Eltern haben sich für meinen Bruder und mich aufgeopfert. Es war also eine schöne Gelegenheit, etwas zurückzugeben. Ich habe das nie als unnormal empfunden.

ZEIT: Haben Sie viel Geld verdient mit Ihrem Einstieg bei GZSZ?

Bott: Ich glaube, für den ersten Job nach dem Abi war das schon ganz ordentlich.

ZEIT: Verraten Sie uns, wie viel?

Bott: In den Verträgen ist festgehalten, dass man nicht darüber sprechen darf. Ich wusste damals auch nie, was meine Kollegen verdienen. Es gibt aber sicher immer ein paar Zugpferde, die mehr verdienen als Neueinsteiger.