Stefan Staub erlebt in diesen Wochen den Höhepunkt seiner bisherigen Karriere. Nicht weil er befördert wurde, Geschäftsführer ist er schon seit zwölf Jahren. Seinen momentanen Erfolg verdankt Stefan Staub, 50 Jahre, der Europäischen Union, denn sie hat aus ihm einen wichtigen Mann gemacht.

Heute hat die EU Stefan Staub in ein Dorf im Saarland geführt. In hellgrauem Anzug, Haare kinnlang, steht er in einer Fabrikhalle eines Unternehmens, das Leitplanken und Lärmschutzwände produziert. Rundherum ziehen sich Bäume die Hügel hoch, in der Halle schweißen Arbeiter, eine Maschine stanzt Löcher in Metall, es piept und knallt und quietscht. "Melden sich die Arbeiter an dieser Maschine mit einer persönlichen Kennung an?", schreit Staub in Richtung des Beauftragten für Arbeitssicherheit, der ihm eine Führung gibt.

Stefan Staub interessieren nicht die Leitplanken und Lärmschutzwände, er sucht nach persönlichen Daten. Vorhin hat er frisch gedruckte Blätter aus einem Kopierer gezogen, Computermäuse bewegt, um zu kontrollieren, ob, wer nicht am Platz sitzt, seinen Computer sperrt, und gelobt, dass die Server in einem abgeschlossenen Metallkäfig untergebracht sind. Für Staub ist das Routine, um das Unternehmen kennenzulernen, dessen externer Datenschutzbeauftragter er seit diesem Tag ist.

Viele Unternehmen haben sich bisher kaum um Datenschutz bemüht

Es ist der 8. Mai, noch 17 Tage sind es an diesem Tag, bis die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union, die DSGVO, gilt. Es ist die umfassendste Gesetzesänderung im Datenschutz seit Jahrzehnten, mit der persönliche Daten besser geschützt werden sollen. Verbrauchern gibt sie das Recht, einzusehen, wer was über sie speichert und warum. Unternehmen bereitet sie einen enormen Aufwand. Und Staub und seinen Kollegen hat sie einen Boom beschert. Jahrelang kämpften Datenschutzbeauftragte darum, Kunden zu bekommen und ernst genommen zu werden. Jetzt sind sie bedeutende Dienstleister: Seine Kundenzahl hat Staub im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht, seinen Umsatz, das zumindest ist seine Prognose, wird er verdoppeln. Fünf weitere Mitarbeiter würde er gerne einstellen, findet aber keine qualifizierten.

Für die meisten Unternehmen war Datenschutz eine lästige Aufgabe, die sie auf das Nötigste reduzierten. Aber die EU hat ihr strategische Relevanz verliehen, auch dadurch, dass Geschäftsführer und Vorstände persönlich für Verstöße haften. Also rufen sie nun reihenweise bei Staub an.

Die DSGVO wirkt, wenn man so will, von oben nach unten. "Von Auftraggebern habe ich Verträge bekommen, die wir unterschreiben sollen", sagt ein Abteilungsleiter im Konferenzraum. Dort erklärt Stefan Staub nun neun Mitarbeitern, darunter dem Geschäftsführer und der Personalleiterin, was sie in jedem Fall beachten müssen. Zuständig für den Straßenbau und damit Auftraggeber der Firma sind Bund, Länder und Gemeinden. Wenn der Plankenbauer den öffentlichen Einrichtungen nicht garantiert, dass er Daten entsprechend der Verordnung verarbeitet, werden sie keine weiteren Aufträge bekommen. So entsteht Druck, der auch die Unternehmen dazu bringt, sich mit Datenschutz zu beschäftigen, die davon bisher wenig wissen wollten.

Wie funktioniert die Arbeit mit einem Datenschutzbeauftragten?

"Unterschreiben das jetzt Sie?", fragt der Abteilungsleiter. Es gab hier schon mal einen Datenschutzbeauftragten, aber viel kann er nicht gemacht haben, resümiert Staub. Von der Arbeit seines Vorgängers blieb ein einziges Formular. Deshalb fängt er von vorne an und erklärt, wie die Zusammenarbeit funktioniert: "Solche Verträge prüfe ich lediglich und sage euch, ob das in Ordnung ist. Unterschreiben muss schon die Geschäftsführung." Wie der Mittelständler üben Unternehmen und Vereine in diesen Wochen ein, wie die Arbeit mit einem Datenschutzbeauftragten funktioniert. Zwar gab es in Deutschland auch vorher Datenschutzgesetze, die Aspekte der DSGVO bereits enthielten. Sie waren aber nicht so umfassend und wurden von vielen nicht ernst genommen. Nur jedes zweite Unternehmen sei damit konform gewesen, schätzt der Berufsverband der Datenschutzbeauftragten.