Janice Person ist eine Hoffnungsträgerin. Mit ihrer praktischen Kurzhaarfrisur, dem weiten Baumwollpullover und dem freundlichen, runden Gesicht könnte die Amerikanerin auch im Sekretariat einer Grundschule arbeiten. Tatsächlich arbeitet sie aber für Monsanto, den größten Saatguthersteller der Welt.

Person sitzt in einem fensterlosen Raum im Erdgeschoss eines Betonbaus in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Es ist der Hauptsitz des Konzerns. Hier beobachtet sie mit ihrem Team, was im Internet über Monsanto geschrieben wird. Sonst trifft sie sich mit Bloggern, die über Umwelt und Ernährung schreiben, lädt sie zu Besuchen bei Landwirten ein oder spricht auf Konferenzen. Alles in der Hoffnung, den Ruf von Monsanto zu verbessern, wie sie sagt: "Jeder hier weiß, dass wir jede Menge zu tun haben."

Das ist noch untertrieben. Monsanto, zu dessen bekanntesten Produkten auch das Herbizid Glyphosat gehört, gilt vielen als Inbegriff des Bösen. Kaum ein Firmenname löst bei Verbrauchern oder Umweltaktivisten negativere Assoziationen aus. Monsanto und Glyphosat, das steht für Bienentöter, Krebserreger, Umweltzerstörer und Bauernknechter.

Doch Monsanto selbst betrachtet sich eher als Bauernopfer in einer emotional aufgeladenen Debatte – und versucht mithilfe von Menschen wie Janice Person, dieses Bild in die Welt zu tragen. Die jüngste Kritik an Glyphosat sei vor allem ein Missverständnis, das es auszuräumen gelte. Daran arbeiten sie hier. Und deswegen will Monsanto sich öffnen und beweisen, dass es nichts zu verbergen gibt. Heute ist Tag der offenen Tür im Herzen der Finsternis.

Zurzeit hat Person viel auf Quora zu tun. Das ist eine Seite im Internet, auf der Nutzer Fragen stellen und andere antworten. 1.400 Follower hat sie hier, in den vergangenen drei Jahren gehörte sie stets zu den Nutzern, die am häufigsten und ausführlichsten vertreten waren. Person ist hier als Privatperson unter eigenem Namen unterwegs, doch aus der Tatsache, dass sie für den amerikanischen Agrarkonzern arbeitet, macht sie kein Geheimnis – und es holt sie immer wieder ein. Kaum jemand, sagt sie, kenne sich wohl besser aus mit Hass im Internet als jene, die ein Namensschild mit der Aufschrift Monsanto trügen. Vor wenigen Monaten ist Quora auch in Deutschland gestartet. "Das ist sehr aufregend", sagt Person. Auch dort wartet viel Arbeit auf den Konzern.

Denn der Widerstand gegen Monsanto ist so groß wie lange nicht. Die neue Regierung in Berlin hat sich in ihrem Koalitionsvertrag gerade darauf geeinigt, sie wolle "den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einschränken mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden". Zwar hat die EU mit knapper Mehrheit die Zulassung gerade um fünf Jahre verlängert, doch Länder wie Frankreich, Österreich und Italien haben die Mittel inzwischen verboten. Noch immer stehen zudem Vorwürfe im Raum, Glyphosat sei krebserregend und trage zum Bienensterben bei. Zuletzt hatte die französische Zeitung Le Monde berichtet, Monsanto selbst habe Studien mitfinanziert, die die Sicherheit von Glyphosat nachweisen sollten.

Chief Technology Officer Robert Fraley versteht die Aufregung nicht. "Mr. Monsanto", wie er genannt wird, ist schon seit 1981 dabei, gilt als Pionier der Gentechnik und strategischer Kopf hinter dem Erfolg von Roundup. So lautet der Markenname des glyphosathaltigen Pflanzenschutzmittels. Fraley hat freundliche Augen und kann Gegenargumente routiniert weglächeln. Heute sitzt er in seinem Büro und sagt: "Das Produkt ist absolut sicher." Kein Stoff sei länger und häufiger überprüft worden als Glyphosat.

Vor allem aber, sagt der Monsanto-Manager, gebe es schlicht keine Alternative. Kein Produkt habe einen größeren Einfluss auf die Modernisierung der Landwirtschaft gehabt. Ohne Roundup ließe sich eine Weltbevölkerung von acht, neun oder gar zehn Milliarden Menschen nicht ernähren. Für die Europäer hat Fraley eine Warnung. Es sei gefährlich für eine Gesellschaft, wenn Politiker Entscheidungen auf Basis von Umfragen träfen. "Es ist ein Schlüsselprodukt, und Landwirte überall in der Welt, auch in Europa, sind darauf angewiesen", sagt er.