Mit dieser Folge kommen wir am Ende unserer kleinen Schulzeit an. Sie umfasste weitaus mehr als hundert Varianten, Omeletts zuzubereiten. Ihnen ist vielleicht aufgefallen, dass nicht die schnelle Zubereitung im Vordergrund stand, und auch, dass die derzeit beliebte Seelennahrung keinen Platz hatte – also solche Speisen, die heimeliges Wohlsein aufkommen lassen sollen, warme Sattheit und kuschelige Gefühle. Das Omelett ist kein Hygge-Gericht und kein Soulfood, sondern, wenn es gelingt, ein Spiel mit Andeutungen; es ist vielschichtig und nicht eintopfig, konstruiert und nicht zusammengerührt, es ist Cool Jazz statt Kuschelrock. Wenn es denn gelingt.

Wenn Sie die Folgen gelesen haben, dann kennen Sie jetzt auch das Wechselspiel von Formenstrenge und Freiheit. Auf Konsistenz und Form ist penibel zu achten, aber was die Zutaten und Beilagen anbetrifft, existieren kaum Beschränkungen, abgesehen von den Grenzen unserer Fantasie. Gewiss, das Omelett soll zart sein und nicht trocken oder braun, es soll tänzeln dürfen, anstatt sich gegen allzu deftige Aromen freikämpfen zu müssen. Aber das sind wenige Parameter, die immer noch einen unermesslichen Raum der Möglichkeiten offenhalten.

Prosaischer ausgedrückt: Omeletts sind prächtige Resteverwerter. Vom Braten ist etwas übrig, von der Sauce, den Pellkartoffeln, Röstzwiebeln, Karotten oder von der Käseplatte? Vom Portwein gar? Alles Ausgangspunkte, um sich am nächsten Morgen Gedanken zu machen. Wenn ich am Wochenende ausschlafen kann, kreisen meine ersten Gedanken darum, welches Omelett die Küche diesmal für das Frühstück hergibt. Im Ernst! Nennen Sie es verrückt. Aber was spricht dagegen, den Tag kreativ zu beginnen?

Die Rezepte dieser Omelettschule, meist ein bisschen aufwendig, seien "typisch Mann", hat mir eine Leserin vorgehalten. In diesem Einwand klingt die Auffassung durch, Frauen seien für das Praktische zuständig, den Haushalt nämlich, und Männer die kreativen Künstler. Eine altmodische Auffassung. Im Übrigen sei daran erinnert, dass ich meine Omeletts alle, und in erster Linie, für meine Frau zubereite.

Ihr habe ich versprochen, im kommenden Jahr viele verschiedene Soufflés auszuprobieren. Aber dafür muss ich jetzt selbst in die Schule gehen.

Ich hoffe, Sie hatten Spaß an alledem.

Für das Basis-Omelett (2 Personen): 6 Eier, weißer Pfeffer, Butter, 1 Schalotte, Salz, Tabasco, Worcestersauce, Sonnenblumen- oder Maisöl

Basisrezept: Butter, Pfeffer, Schalottenwürfel anschwitzen; Eier trennen, Eiweiß salzen und schlagen; Öl, Tabasco und Worcestersauce ins Eigelb und schlagen; die Massen mischen; dünne Eimasse-Schicht in der Pfanne leicht stocken lassen, mit Spatel falten; nächste Schicht auf dem ganzen Pfannenboden verteilen (den festen Halbmond dabei mit dem Spatel anheben und Pfanne schräg halten, sodass die flüssige Masse auch darunterfließen kann), wieder falten etc.