Wie man das Problem mit dem Einweggeschirr auch lösen kann, ließ sich früher in Indien studieren: Wer dort mit dem Zug unterwegs war, bekam seinen Tee in kleinen Tonbechern serviert. Hatte man ausgetrunken, warf man die Töpferware einfach aus dem Fenster. Draußen verrottete der Ton und wurde zu Staub; eine sehr indische, kostengünstige Form des Recyclings. In den neunziger Jahren hielt dann der Fortschritt Einzug: Fortan erhielt man seinen Tee in modernen Plastikbechern – welche die Inder wie gewohnt weiter aus dem Fenster warfen.

Nicht nur in Indien ist seither das Problem des Plastikmülls riesig geworden. Weltweit wird viel zu viel Kunststoff verbraucht und achtlos weggeworfen. Etwa 300 Millionen Tonnen Plastik produziert die Menschheit heute pro Jahr, der überwiegende Teil – fast 80 Prozent – landet am Schluss in der Umwelt, ein Großteil davon in den Meeren. Die allermeisten Kunststoffe lassen sich biologisch nicht abbauen und nur schwer recyceln.

Es ist daher richtig, dass die EU-Kommission dem Plastikmüll jetzt den Kampf ansagt. Nachdem sie schon im Januar eine Plastik-Strategie angekündigt hatte, legte sie am Montag dieser Woche nach: Eine neue Richtlinie nimmt die zehn Wegwerfprodukte aufs Korn, "die sich am häufigsten an Europas Stränden finden" und die dort für siebzig Prozent des Plastikmülls verantwortlich sind. Verboten werden sollen Einweggeschirr, Strohhalme, Plastikflaschen, Lebensmittelverpackungen, Flaschendeckel, Wattestäbchen und Ähnliches – also all jener zivilisatorische Kleinkram, der so praktisch wie unnötig ist. Noch muss die Richtlinie mit den Staaten und dem EU-Parlament abgestimmt werden, doch die Richtung ist klar: Europas Plastikberge sollen schrumpfen.

Natürlich gab es prompt Kritik, dass der Vorschlag nicht weit genug gehe und das Problem nicht gelöst sei, wenn Einwegplastik nun durch andere Einwegprodukte (etwa aus Papier) ersetzt würde. Stimmt schon: Bei vielen Produkten kann man sich fragen, ob es nicht auch ganz ohne Plastik ginge. Denn klar ist: Der beste Müll ist jener, der gar nicht erst entsteht.

Doch das hängt nicht allein an der EU-Kommission, sondern letztlich an unseren eigenen, lieb gewordenen Gewohnheiten. Hierzulande schmeißen wir zwar keine Plastikbecher aus fahrenden Zügen. Doch das heißt noch lange nicht, dass die gedankenlose Wegwerfmentalität schon überwunden wäre. Am Ende setzt sich Europas großer Plastikberg schließlich aus vielen kleinen Bestandteilen zusammen.