Sie kennen wahrscheinlich diesen Zaubertrick, bei dem jemand aus dem Publikum etwas auf einen Zettel schreibt und diesen in einen Umschlag steckt. Obwohl die Augen des Zauberkünstlers verbunden sind, weiß er sofort, was auf dem Zettel geschrieben steht.

Das können Sie auch. Und Sie tun es sogar regelmäßig, wetten? Immer wenn Post vom Strom- oder Gasversorger, von den Wasserwerken, Versicherungen oder Banken in Ihrem Briefkasten liegt. Sie haben diese Schreiben nicht erwartet, sind aber kein bisschen überrascht, sie vorzufinden. Und natürlich müssen Sie die Umschläge nicht öffnen, um zu wissen, was drinsteht: Die wollen mehr Geld.

Überraschend ist einzig die Art und Weise, mit der diese Botschaft überbracht wird. Hier bietet die deutsche Sprache eine reichhaltige Auswahl. Eines meiner Lieblingswörter ist die "Preisanpassung", bei der die Preise leider immer nur nach oben angepasst werden, während kein Unternehmen je auf die Idee käme, seine Gewinnerwartungen nach unten anzupassen. Geradezu meisterhaft jubelt derzeit die HypoVereinsbank ihren Kunden eine Preiserhöhung unter – getarnt als eine Mischung aus Geschenk und Naturkatastrophe. So wurden Besitzer von Bankschließfächern darüber informiert, dass der Inhalt des Schließfachs ja versichert sei. Die gute Nachricht: "Zum 1. Juli erhöhen wir diesen Versicherungsschutz", flötet die Bank. "Wir erhöhen" steht da. Die Leute von der Bank tun etwas. Für ihre Kunden. Wie schön.

"In diesem Zusammenhang erhöhen sich auch die Mietpreise", folgt die schlechte Nachricht, und auf einmal ist Schluss mit "wir". Da steht dann: "erhöhen sich". Es passiert einfach so. Von ganz allein. Die Sonne geht auf, Äpfel fallen vom Baum, Preise erhöhen sich. Schon klar, dass ich nichts geschenkt bekomme. Aber ich würde mich schon freuen, wenn man mir einfach mal sagen würde, was man eigentlich will: mein Geld.