Johann Schneider-Ammann, Wirtschaftsminister und Bundesrat der FDP, will möglichst viel Handel mit dem Ausland. Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes und Nationalrat der CVP, will möglichst viele Bauern in der Schweiz. Beides geht nicht. Denn der Bundesrat möchte den Markt stärker öffnen, Zölle abbauen, weniger Protektionismus. Eine Möglichkeit dafür ist ein Freihandelsabkommen der Schweiz mit den Mercosur-Staaten, also mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. So steht es in der "Gesamtschau zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik", die Johann Schneider-Ammann im November des vergangenen Jahres vorstellte.

Seither spielt Markus Ritter geschickt die Hauptrolle im Stück: Bundesrat gegen Bauern. Ein "Skandal" sei dieser Bericht, sagte Ritter. Er lehnte die Einladung zu einer Gesprächsrunde über das Abkommen ab, er verzichtete im Frühjahr auf eine Reise nach Südamerika mit Schneider-Ammann, er drohte: "Wenn Mercosur kommt, verschwinden jährlich statt 900 fast 1.400 Betriebe."

An diesem Montag siegte Ritter: Der Nationalrat wies die Agrar-Gesamtschau an den Bundesrat zurück, versehen mit dem Auftrag, den Zeitplan "so anzupassen, dass die Ergebnisse verschiedener die Landwirtschaft betreffenden Volksinitiativen berücksichtigt werden können".

Gemeint sind die Fair-Food-Initiative und die Initiative über Ernährungssouveränität, die im September zur Abstimmung kommen, aber auch die Initiative für sauberes Trinkwasser, die Anfang Jahr eingereicht wurde. Es geht um unterschiedlichste Anliegen wie die Qualität von importierten und einheimischen Lebensmitteln, das Verbot von Gentechnologie oder die Verwendung von Pestiziden. Aber alle Volksbegehren haben etwas gemeinsam: Sie lassen die Bevölkerung und damit die Konsumenten mitbestimmen.

Landwirtschaftspolitik umfasst mehr als bäuerliche Abschottungswünsche und Freihandelsträume von Politikern. Ebenso geht es darum, wie viel die Konsumenten für ihre Lebensmittel zu zahlen bereit sind – und wie ihr Gemüse, ihr Fleisch produziert werden sollen.

Einen Tag nach der verlorenen Abstimmung im Parlament fragte ein Journalist von Radio SRF Johann Schneider-Ammann, welche Bauern aus seiner Sicht überleben werden. Er sagte: "Ich glaube, es setzen sich jene durch, die nahe am Kunden sind, die zweimal in der Woche auf den Märit gehen und spüren, was die Hausfrau will und was sie nicht will."

Und wenn es der Markt nicht richtet, dann übernimmt das Volk.