ZEIT Geld: Herr Schwochow, in Ihrer Serie Bad Banks geht es um zweifelhafte Zockereien ziemlich gewissenloser Banker. Haben Sie sich auch mal verzockt?

Christian Schwochow: 250 Euro habe ich mal im Casino verspielt. Das ging schnell.

ZEIT Geld:Wie konnte das passieren?

Schwochow: Ich gehöre zu den Bekloppten, die denken, sie hätten eine Idee, wie man das Roulette beherrschen kann. Was natürlich nicht geht. Aber ich setze mir vorher Grenzen: 250, das kann jetzt passieren. Mehr nicht.

ZEIT Geld: Grenzen zu setzen kann auch an der Börse helfen. Handeln Sie mit Aktien?

Schwochow: Nein, das ist mir zu riskant und zu kompliziert. Ich müsste viel Zeit investieren, damit aus 5.000 Euro mal 8.000 werden – dafür ist mir Geld nicht wichtig genug.

ZEIT Geld: Sie spielen Roulette, aber finden Aktien zu riskant?

Schwochow: Ja, weil Roulette Spaß macht. Die Menschen im Casino, das hat was von Theater. Was ist denn eine Aktie? Jedenfalls nichts Sinnliches.

ZEIT GELD:Wäre es anders, wenn Algorithmen Ihnen die Anlage in Aktien erleichtern würden, Sie sich also nicht einarbeiten müssten?

Schwochow: Finanztechnologie wird immer größer, das habe ich bei der Recherche für die Serie Bad Banks gesehen. Aber wenn alle auf künstliche Intelligenz setzen, müssten alle reicher werden. Das geht ja nicht. Ich vertraue lieber meinem Sparkonto.

ZEIT Geld: Sind das gute Voraussetzungen, um eine Serie über Investmentbanker zu drehen?

Schwochow: Ich wusste vorher tatsächlich nichts über die, hatte nur so linke Vorurteile. Vor allem, dass man Bankern nicht vertrauen sollte. Auf Klischees konnte ich mich natürlich nicht verlassen, also wollte ich erst mal welche treffen.

ZEIT Geld: Hat das geklappt?

Schwochow: Am Anfang nicht. Die meisten Banker unterschreiben ihrem Arbeitgeber, dass sie mit Menschen wie mir nicht sprechen. Also habe ich mich an die Pressestellen gewandt, aber nur Absagen bekommen. Erst über den Onkel einer Schauspielerin hat es geklappt: Der hat mich mit großem persönlichem Risiko heimlich in eine Bank geholt und Kollegen vorgestellt.

ZEIT Geld: Und, haben sich Ihre Vorurteile bestätigt?

Schwochow: Mich hat überrascht, was für außergewöhnliche Menschen ich getroffen habe. Eine Bank wie Goldman Sachs sucht sich an Elite-Unis die Besten eines Jahrgangs, egal ob die Wirtschaft oder Philosophie studieren. Im Handelsraum sitzen dann Hunderte Leute aus der ganzen Welt, ihre Hautfarbe ist egal, ihre Religion, das Gehalt ihrer Eltern. Die sind hier, weil sie wahnsinnig intelligent und gebildet sind. Ich wollte verstehen, was die antreibt.

ZEIT Geld: Wahrscheinlich das Geld.

Schwochow: Nicht nur. Vor allem der Ehrgeiz, der Wahnsinn, der Hunger nach einem schnellen Leben. Das ist mir sehr nah.