Wenn Unternehmen einen lange bekannten Plan umsetzen, ist das meist nur eine kurze Meldung in den Nachrichten wert. Anders ist es im Fall des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer, der an diesem Donnerstag die Übernahme des umstrittenen Saatgutherstellers Monsanto vollziehen will. Dass Bayer damit für Schlagzeilen sorgt, liegt nicht nur daran, dass es den Monsanto-Aktionären 63 Milliarden US-Dollar zahlt – damit ist der Deal die größte Übernahme durch ein deutsches Unternehmen in der Börsengeschichte. Ein Grund ist auch, dass Bayer angekündigt hat, den Namen Monsanto zu beerdigen oder, wie es offiziell heißt, "nicht fortzuführen".

Dass der Name Monsanto für Bayer problematisch werden könnte, darum sorgt man sich in Leverkusen schon lange. Bereits Mitte 2016, also bei Bekanntwerden der Übernahmepläne, wollte Bayer von seinen Kunden in einem Fragebogen wissen, ob es von Vorteil wäre, wenn Bayer sich von dem Namen Monsanto trennen würde. Die Ergebnisse sind zwar nicht bekannt, der Konzern hat sie nicht veröffentlicht, aber die Frage stand ganz oben auf der Liste. Und auch Bayer-Chef Baumann selbst ließ in Interviews durchblicken, dass er Monsanto "nicht wegen des Namens" kaufe, und beeilte sich stets zu betonen, welch guten Ruf Bayer in der Welt genieße. Diplomatischer kann man kaum formulieren, dass der Name Monsanto so störend ist wie Unkraut im Gemüsebeet.

Den Namen zu vernichten wird trotz der langen Firmentradition wohl kaum jemand bedauern; nicht einmal am Hauptsitz des US-Konzerns in St. Louis dürfte man besonders traurig sein. Der Schritt allein genügt aber nicht. Denn der Ruf von Monsanto, das Gegner abfällig auch als "Mutanto" oder "Monsatan" bezeichneten, ist verdientermaßen schlecht. Der Konzern stand in den vergangenen Jahrzehnten ungezählte Male am Pranger. Kritiker haben ihm vorgeworfen, mit seinen Methoden Kleinbauern ebenso wie Politiker und Wissenschaftler unter Druck zu setzen. Ob die Vorwürfe stets berechtigt waren oder nicht: Monsanto reagierte oft ziemlich ignorant. Anstatt zu versuchen, seine Gegner zu verstehen oder zu besänftigen, klärte es Probleme lieber vor Gericht. Bayer muss anders handeln, wenn es nicht nur den Namen Monsanto, sondern auch dessen Image loswerden will.

Kritiker stören sich aber nicht nur am Geschäftsgebaren von Monsanto, sondern auch daran, dass der Konzern genverändertes Saatgut herstellt, das auf den Unkrautvernichter Glyphosat abgestimmt ist, den sie für gesundheitsgefährdend halten. In den USA gibt es Sammelklagen von Hunderten Krebspatienten gegen Monsanto. Sie werfen dem Konzern vor, Risiken für die Gesundheit verschwiegen zu haben. Solche Streitigkeiten wird Bayer nun genauso wie die Grundsatzdebatte um Glyphosat erben, samt allen Negativschlagzeilen und Kosten, die damit möglicherweise noch verbunden sein könnten.

Wenn Bayer-Chef Baumann also verspricht, dass er den "Dialog mit der Gesellschaft vertiefen", "Kritikern zuhören" und mit ihnen zusammenarbeiten will, dann ist das ein gutes Zeichen; nun muss er zeigen, dass er die nötige Ausdauer für den Dialog mitbringt und offen für die Argumente seiner Kritiker ist. Sonst bleibt das Ende des Namens Monsanto ein Schritt, der sich schlicht aus einer Kosten-Nutzen-Analyse ergeben hat.

20 Milliarden Euro haben Bayer und Monsanto im Agrarbereich 2017 zusammen umgesetzt – mehr als jeder andere Wettbewerber

Auf dem Weg zu seinem großen Ziel brauchte Baumann ein halbes Jahr länger und musste unterwegs mehr eigene Geschäfte abgeben als gedacht, um Monsanto übernehmen zu können – und das war gut so. Gut, weil es gezeigt hat, dass die Kartellbehörden bei dieser Übernahme genau hingeschaut haben. Am Montag lobte Bayer-Chef Baumann zwar sein Team dafür, dass es nach harter Arbeit allein bei der Europäischen Kommission und dem Department of Justice in den USA rund 40 Millionen Seiten eingereicht hat, die ausgedruckt und aneinandergereiht von Leverkusen zum Monsanto-Headquarter in St. Louis und fast wieder zurück reichen würden. Loben muss man in diesem Fall aber vor allem die Kartellwächter, die sich durch diese Papierberge gewühlt und für das Zusammengehen der Konzerne hohe Auflagen gemacht haben.

Bayer muss nun mehr Teile seines Geschäfts an Wettbewerber verkaufen, als der Konzern gehofft hatte; einige Tausend Bayer-Mitarbeiter werden bald für den Rivalen BASF arbeiten. Das dürfte selbst Baumann wehtun, der bei Erfolgen wie bei Schwierigkeiten stets vernunft- und zahlengetrieben wirkt, fast etwas emotionslos.

Die Auflagen wird der Leverkusener Konzern sicherlich verschmerzen können. Am Montag erklärte Baumann, welche Vorteile Bayer von der Übernahme haben soll; von 2019 an sollen die Aktionäre von einem höheren Gewinn profitieren, ab 2022 will der Konzern dank Monsanto pro Jahr 1,2 Milliarden Dollar zusätzlich verdienen. Rechnet man die Umsätze von Bayer und Monsanto im Agrarsektor zusammen, war das Duo 2017 mit rund 20 Milliarden Euro Marktführer vor seinen Wettbewerbern, obwohl die sich selbst durch Fusionen und Übernahmen vergrößert hatten.

Als mächtigster Anbieter im Agrarsektor wird Bayer nun den Bauern in aller Welt Komplettpakete für ihre Äcker verkaufen können – vom Saatgut über den Pflanzenschutz bis hin zu Hightech-Geräten für die Feldbearbeitung. Dem Namen Monsanto werden die Bauern dabei zwar nicht mehr begegnen. Dass das für sie ein Fortschritt ist, muss Bayer-Chef Baumann aber erst noch beweisen.