Wenn Ideen Wurzeln schlagen und wachsen sollen, muss man sie möglichst früh in möglichst junge Köpfe pflanzen. Und da Bilder sich besonders einprägen, warum nicht sie sprechen und wirken lassen? Genau das ist der Grundgedanke des Projekts "Zeich(n)en für Europa". Diese Seite zeigt eine Auswahl von Arbeiten, die britische Illustratoren dafür angefertigt haben. Dass ihr Land aus der Staatengemeinschaft austreten wird, hat nicht wenige von ihnen schockiert.

Die Idee zu "Zeich(n)en für Europa" entstand allerdings nicht in Großbritannien, sondern in Frankfurt am Main. Wenn der europäische Gedanke überleben soll, müssen wir schon die Kinder dafür begeistern, dachte sich Markus Weber, Verleger des Moritz-Kinderbuchverlags. Und so bat er Künstler verschiedener Länder um ein Bild.

Aus den Arbeiten wurde zur Buchmesse im Herbst 2017 eine kleine Ausstellung, und die begab sich ungeplant auf Wanderschaft: Zunächst holte Katarina Barley, damals noch Familienministerin, die Bilder nach Berlin. Das wiederum spornte Grüffelo-Schöpfer Axel Scheffler an. Er hatte gleich zwei Bilder beigesteuert und wollte die Ausstellung in seiner Wahlheimat zeigen. Seit mehr als 30 Jahren lebt der gebürtige Hamburger in London. "Noch am Tag nach der Brexit-Entscheidung war ich am Boden zerstört", schreibt er im Vorwort des Ausstellungskatalogs zur Londoner Schau. "Ich hatte und habe noch immer das Gefühl, dass der Frieden und Wohlstand Europas bedroht ist, wenn sich unsere Gemeinschaft auflöst."

Scheffler holte gemeinsam mit dem Institut français nicht nur die Ausstellung nach London, er fragte auch eine Reihe britischer Kollegen, ob sie nicht ebenfalls für Europa zeichnen wollen. Viele wollten, darunter Meister der Illustration wie Chris Riddell und Quentin Blake. So ist die Europabilder-Ausstellung gewachsen – und inzwischen erneut umgezogen, ins Goethe-Institut in Paris, wo sie noch bis Mitte Juli zu sehen ist.

Und danach? Ist für die Originale, mit denen in Frankfurt alles begann, erst einmal Schluss. Die Bilder wurden bereits im Herbst der Bürgerinitiative Pulse of Europe geschenkt. Die versteigert nun die Kunstwerke, um mit dem Erlös neue Projekte zu finanzieren. Bis zum 15. Juni kann jeder online auf ein Stück Europa fürs Kinderzimmer bieten (Auktion: www.pulseofeurope.eu/de/drawing-for-europe). Und doch ist das nicht das Ende. Denn es haben sich bereits weitere Künstler gemeldet, die für Europa zeichnen wollen, und Städte, die mit einer Ausstellung ein Zeichen setzen möchten.