Am Dienstag verkündet das Bundesverfassungsgericht eine lang erwartete Entscheidung. Vier verbeamtete Lehrer haben sich durch alle Instanzen geklagt, um zu klären: War es rechtens, dass sie für die Teilnahme an Streiks während des Unterrichts mit Geldbußen und Einträgen in die Personalakte bestraft wurden? Unterstützt werden sie von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Sollten die Verfassungsrichter den Klägern das Streiken erlauben, käme das die Bundesländer wohl teuer zu stehen. Die Verhandlungsmacht der 650.000 verbeamteten Lehrer würde auf einen Schlag gewaltig wachsen, wenn sie neben den 200.000 angestellten Lehrern für höhere Löhne auf die Straße gehen könnten.

Die Kläger argumentieren, für sie gelte der "Funktionsvorbehalt" nicht. Hinter dem Wort steckt die Kernlogik des traditionellen Beamtentums. Polizisten, Feuerwehrleute oder Justizbeamte üben "hoheitliche Tätigkeiten" aus, womit ein Streikrecht ausgeschlossen ist. Sie seien aber gar nicht hoheitlich tätig, sagen die klagenden Lehrer, die sich anderen Berufsgruppen gegenüber benachteiligt fühlen.

Sollten die Verfassungsrichter den Klägern das Streiken erlauben, würde die Verhandlungsmacht der 650.000 verbeamteten Lehrer auf einen Schlag gewaltig wachsen.

Bund und Länder sehen das anders: Die Bürger müssten auf einen stets handlungsfähigen Staat vertrauen dürfen. Zudem werde Beamten das Streikverbot mit weitreichenden Privilegien vergolten, von den Pensionen bis zur Beihilfe bei der Gesundheitsversorgung. Deshalb erwartet der Berliner Verfassungsrechtler Ulrich Battis auch, dass "die Blütenträume der GEW nicht aufgehen werden".

Klar ist: Höhere Gehälter bedeuten höhere Personalkosten und bei gleichbleibenden Budgets weniger Geld für Neueinstellungen. Weshalb auch die Eltern von Schulkindern am 12. Juni genau nach Karlsruhe schauen dürften.

Vor wenigen Wochen fragten wir hier die Lehrer unter unseren Leserinnen und Lesern: Wie geht es Ihnen? Gerne können Sie sich an unserer Umfrage beteiligen. Die Ergebnisse veröffentlichen wir bald auf ZEIT ONLINE.