Es begab sich am Anfang dieses Jahres, dass ein Prinz heimkehrte und seinem Volk den Döner brachte. Die Bürger standen Schlange, stundenlang; die Mädchen weinten, natürlich vor Glück; und Medien schickten ihre Reporter, um davon zu berichten. Aus FAZ, Spiegel Online und Bild erfuhr man, dass der Prinz eigenhändig Fleisch vom Spieß säbelte und Sätze sagte wie: "Ich mag den Döner. Ich esse Döner. Der Döner ist eine gute Sache."

Als Prinz Poldi, bürgerlicher Name Lukas Podolski, am 6. Januar den Mangal Döner-Imbiss in der Kölner Südstadt eröffnete, gingen mir zwei Fragen durch den Kopf: Was hat Podolski mit Dönern zu tun? Und: Gibt es noch andere Fußballer, die Restaurants betreiben?

Es stellte sich heraus: Die gibt es, und gar nicht wenige. Es sind Stürmer darunter und Verteidiger, Spielgestalter und Spielzerstörer, Aktive und Ehemalige. Und weil inzwischen auch die WM in Russland näher rückte, samt Vorfreude, entschied ich mich, eine Deutschlandreise zu diesen Restaurants anzutreten, die mich vom Norden in den Ruhrpott und das Rheinland führen würde, weiter nach Baden-Württemberg und zum Schluss nach Berlin. Ich wollte mit so vielen Kickern reden, wie ich konnte. Und ich wollte so viel von ihrem Essen essen, wie ich schaffte.

1. Station: Bremen

Samstagabend. Unweit des zentralen Omnibusbahnhofs liegt die Südtiroler Hütte, eingeklemmt zwischen Best-Western-Hotel und Shisha-Bar, ein hölzerner Fremdkörper zwischen zwei Steilwänden aus Glas und Beton. Ich saß an einem Tisch im Restaurant, suchte nach Hinweisen auf Nelson Valdez, der mit Werder Bremen 2004 Meisterschaft und Pokal gewann, fand aber keinen. Ich fand ja nicht einmal Hinweise auf Bremen, denn nachdem ich die hölzerne Tür durchschritten, den Kachelofen passiert und den Gastraum betreten hatte, war ich mitten in der Bergwelt der Dolomiten angekommen. Im Radio liefen Staumeldungen für Tirol.

Ende 2014 hatte Valdez die Südtiroler Hütte eröffnet, die Bild-Zeitung berichtete, es hatte einen Jodelwettbewerb gegeben, leider nur einmal. "Man findet im Norden einfach keine guten Jodler", seufzte Fritz Rößler, Valdez’ Schwiegervater und Geschäftspartner, der sich nun zu mir an den Tisch setzte. Rößler war mit etwas Verspätung direkt aus dem Weserstadion gekommen. Prügelei auf der Straße, Taxi im Stau, es tue ihm leid, sagte er und wickelte seinen Werder-Schal vom Hals. Schnell fiel mir auf, welch ruhige Höflichkeit dieser grauhaarige Mann mit der goldenen Brille ausstrahlte. "Nelson isst gerne das Kaiserschnitzel", sagte er. "Aber vorher bringe ich die Knödel", grätschte Restaurantleiter Matyas Insam, ein Ureinwohner des Grödnertals, in meine Bestellung. "Vielleicht drei Prozent unserer Gäste kommen wegen Nelson", sagte Rößler. Dann begann er, der in seinem Leben schon zwei Sterne-Restaurants und die Gastronomie im Weserstadion geführt hatte, zu erzählen, wie sich das zugetragen hatte mit ihm, dem Fußballer, den Knödeln.

Seiner Frau Beata sei die Idee im Südtirol-Urlaub gekommen. Sie holten ihren Schwiegersohn mit ins Boot. Auch, wie Rößler sagte, um dem weit gereisten Kicker – er spielte schon in Spanien, Griechenland, Russland und Abu Dhabi – einen Anker in Bremen zu geben. Valdez ist allerdings maximal zweimal im Jahr hier, weil er inzwischen in Paraguay spielt und dort jetzt auch eine Hühnerfarm eröffnet hat.

Die Knödel kamen, einmal mit Käse, einmal mit Spinat, sie waren weich und würzig und lagen in einer Pfütze aus Parmesan und zerlassener Butter. Zwischendurch brachte Rößler ein Brett voller Schinken und Kaminwurzn, reichte dazu Schüttelbrot. Dann war das Kaiserschnitzel fertig, ein saftiges Kalbskotelett am Knochen, sanft umhüllt von einer krossen, welligen Panade. Ich wurde satter und satter, und ein warmes Gefühl von Urlaub und Geborgenheit erfüllte mich. In den Fenstern, in denen statt Glas Bildschirme verbaut waren, zog ein Almabtrieb vorbei.

Als ich das Restaurant verließ und zurückblickte, schien es mir, als habe eine Lawine die Hütte in den Dolomiten erfasst und bis nach Bremen getragen. Ich ging mit dem Gefühl, dass sich Fritz Rößler um mich kümmern würde, wenn es mir einmal schlecht ginge. Er würde wieder mit seiner Frau Beata in Urlaub fahren, eine Idee für ein Restaurant mitbringen und es zusammen mit mir eröffnen, um mir einen Anker im Leben zu geben.