Elbe, Elphi, Alster, Flughafen: Das ist das Angebot, mit dem die Stadt lockt. Wenn es darum geht, einem Unternehmer auf Expansionskurs die Vorzüge des Standorts Hamburg nahezulegen, sagt Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof, sei der Helmut-Schmidt-Flughafen ein "Asset".

Dieses Asset hat am vergangenen Sonntag gewaltigen Schaden genommen. Der Flughafen mag logistische Bedeutung haben, wichtiger aber ist sein Image. Hamburg, die Weltstadt mit Weltflughafen, aus der man nach London kommt, noch ehe die Zeitung ausgelesen ist, daran denkt gerade niemand. Zum Image des Hamburger Flughafens gehören nun die Fernsehbilder der Notbetten und 30.000 verdorbene Tage von 30.000 gestrandeten Passagieren, vervielfacht in den Erzählungen von Freunden und Verwandten.

Das alles wegen eines Kurzschlusses, der, so formuliert es Flughafenchef Michael Eggenschwiler, die Flughafentechnik "mitten im Herzen" getroffen habe. Entkleidet man den Satz seiner metaphorischen Verhüllung, besagt er, dass die technische Infrastruktur des Flughafens Bestandteile hat, die keinesfalls beschädigt werden dürfen, weil anderenfalls der komplette Flughafen für etliche Stunden ausfällt. Muss das so sein?

Am Sonntag hat in der Stromversorgung des Flughafens ein Stück Kabelisolierung versagt, das kaum mehr wert sein dürfte als ein paar Euro, und hat einen Millionenschaden angerichtet. Es war nicht möglich, die schadhafte Stelle zu überbrücken. Es war nicht möglich, das lahmgelegte Kleinkraftwerk des Flughafens zu ersetzen, das für einen vorschriftsmäßigen Flugbetrieb benötigt wird. Es war über Stunden hinweg nicht einmal möglich, die verschmorte Kabelstelle zu finden.

Wenn am vergangenen Sonntag das Herz des Flughafens versagt hat, war das Schicksal oder Schuld?

Der Flughafen Hamburg hat seine Antwort gefunden, eine eindeutige: Leider sei der Blackout nicht zu verhindern gewesen, wiederholt Michael Eggenschwiler seit Sonntag in seinen Statements. Das Material sei ein "Standardkabel" gewesen, es seien nie zuvor Probleme aufgetreten.

Dumm gelaufen, aber niemandem ist ein Vorwurf zu machen – das ist für den Flughafen die bequemste Deutung und für die Airlines die kostengünstigste. Wenn "außergewöhnliche Umstände" zum Ausfall von Flügen führen, müssen sie ihre Passagiere nicht entschädigen.

Aber stimmt die Erklärung?

Um diese Frage beantworten zu können, muss man wissen, was geschehen ist. Am Sonntag um neun Uhr kam intern die erste Meldung: Ein Kurzschluss hat Teile des Stromnetzes lahmgelegt. Die Security-Türen in den Terminals ließen sich nicht mehr öffnen, nach und nach fiel mehr Technik aus. Um zehn Uhr stellte der Flughafen den Betrieb komplett ein. Die Isolierung eines Kupferkabels hatte einen Schaden, der Kurzschluss war heftig und zerstörte weitere Kabel.

Jeder Flughafen in Europa muss zwei voneinander unabhängige, parallel laufende Systeme zur Stromversorgung haben. Das regeln internationale Richtlinien. Fällt das eine aus oder weist auch nur kurz Schwankungen auf, übernimmt sofort das andere. Der Flughafen Hamburg bezieht seinen Strom einerseits aus dem öffentlichen Netz, andererseits aus einem hauseigenen Kleinkraftwerk. "Innerhalb unseres eigenen Kraftwerkes gibt es mehr Generatoren als gefordert und somit eine Back-up-Lösung", erklärt Flughafen-Chef Eggenschwiler in einer Pressemitteilung. Das Kraftwerk des Flughafens sei nach dem Kurzschluss allerdings komplett ausgefallen. Und mit nur einem Stromsystem darf der Flugbetrieb nicht weiterlaufen. Für bestimmte IT-Systeme gebe es zwar ein zusätzliches Notstromaggregat, sagt Flughafen-Sprecherin Stefanie Harder, doch das sei nur für einen kurzen Zeitraum ausgelegt, etwa für die Landung von bereits im Anflug befindlichen Maschinen. Nicht für den Dauerbetrieb.