Schlecht, wenn man die große weltpolitische Bühne betritt und dann die Hotelrechnung nicht bezahlen kann. So ergeht es gerade Nordkoreas Diktator Kim Jong Un, der sich am nächsten Dienstag mit Donald Trump in Singapur treffen will. Dort, berichtet die örtliche Straits Times, soll Kims Delegation im vornehmen Fullerton Hotel wohnen. Aber die Zimmerpreise übersteigen die Möglichkeiten des Regimes. Am Ende wird wohl der Gastgeber auf den Kosten sitzen bleiben.

In Singapur werden sie schon froh sein, wenn Kims Flugzeug erst einmal heil auf dem Changi Airport gelandet ist. Viel weiter als bis in den südostasiatischen Stadtstaat schafft es der in die Jahre gekommene nordkoreanische Regierungsflieger nicht. Nach Genf etwa wäre die Maschine nicht gekommen. Kim hätte sich ein Flugzeug borgen müssen.

Fragt man nach den Gründen, die Kim Jong Un Anfang des Jahres im Atomstreit mit den USA einlenken ließen, landet man rasch bei der wirtschaftlichen Lage des Landes. Und bei den über sein Land verhängten drakonischen Sanktionen, die jeden Weg aus der selbst verschuldeten Misere versperren.

In Seoul sagen einem Nordkorea-Experten dieser Tage immer wieder, Kim wolle sein Land öffnen und die Wirtschaft modernisieren. Der 34-jährige Diktator habe sein Leben noch vor sich, heißt es, er sei entschlossen, etwas daraus zu machen und nicht nur das niederschmetternde Erbe von Vater und Großvater zu verwalten.

"Kim will der Deng Xiaoping Nordkoreas werden", sagt Lee Sang Keun vom Institut für Nationale Sicherheitsstrategie in Seoul. Er wolle dem chinesischen Reformer nacheifern, das Land ökonomisch öffnen, ohne am Einparteiensystem zu rütteln. Diese Einschätzung teilen viele Beobachter Nordkoreas. Manche sprechen auch vom "vietnamesischen Modell", meinen aber das Gleiche: Die Elite verteidigt ihren Führungsanspruch, duldet aber die wirtschaftliche Liberalisierung.

Diese Elite, die fast ausschließlich in der Hauptstadt lebt, profitiert am meisten von dem Wandel, der schon vor einigen Jahren begonnen hat. Sie hat am ehesten Zugang zu ausländischem Geld, mit dem auch in Pjöngjang fast alles zu haben ist. Wirtschaftssanktionen treffen also vor allem sie. "Die Unzufriedenheit wächst, das macht die Führung nervös", sagt Bernhard Seliger von der Hanns-Seidel-Stiftung in Seoul, der seit über zwanzig Jahren regelmäßig den Norden besucht und gerade von einer zweiwöchigen Reise zurückgekehrt ist.

Nie wieder sollten sie den Gürtel enger schnallen müssen, hatte Kim Jong Un seinen Untertanen versprochen, als er nach dem Tode seines Vaters Ende 2011 die Macht übernahm. Er wollte die Wirtschaft und die Kernwaffen des Landes parallel entwickeln, "Byungjin-Linie" hieß diese Politik. Sie ist gescheitert. Denn wegen der atomaren Aufrüstung hat der UN-Sicherheitsrat immer strengere Sanktionen verhängt, dem wirtschaftlichen Wandel ging die Luft aus.

Das soll sich nun ändern. "Die Nordkoreaner haben erkannt, dass sie sich nicht die ganze Welt zum Feind machen können", sagt Seliger. Südkoreas Wirtschaft wartet nur darauf, im Norden investieren zu können. Auch chinesische und japanische Unternehmen sehen im rohstoffreichen Nordkorea mit seiner relativ gut gebildeten Bevölkerung eine Goldmine.