Da findet in Basel ab Mitte Juni die wichtigste europäische Messe für Gegenwartskunst statt, mit 290 internationalen Galerien und Arbeiten von über 4.000 Künstlern, darunter millionenteure Werke von Stars wie Ai Weiwei, Dan Graham oder der inzwischen 103-jährigen kubanischen Malerin Carmen Herrera. Und dann reist zeitgleich zur Art Basel aus Berlin eine im Vergleich winzige Veranstaltung an, mit 26 Teilnehmern und einem Fokus auf Papierkunst: Die Paper Positions. Papierkunst, das können Zeichnungen, Skulpturen oder auch Fotografien sein, von denen es oft mehrere Abzüge gibt. Vor allem aber sind es Arbeiten, die einen Bruchteil dessen kosten, was zeitgleich in den Messehallen gehandelt wird.

Sich in die Nähe dieser übermächtigen Konkurrenz zu begeben, deren Angebot allein schon visuell eine Herausforderung darstellt – ist das nicht Wahnsinn? Keineswegs. Denn die Art Basel hat ein Problem. Kein sehr großes nach 48 erfolgreichen Jahren, aber doch eines mit Konsequenzen für die Zukunft. Sie kann nicht weiter wachsen und müsste es doch tun, um sich konstant zu verjüngen. Seit der Kunstmarkt ein globales Geschäft geworden ist mit Sammlern von Paris bis Peking, drängen etablierte Galerien aus aller Welt für diese Woche nach Basel. Ihr bestes Argument liefert das eigene Programm: Sie vertreten teure, gefragte Künstler und leisten sich große, repräsentative Messestände. Preiswerte Arbeiten aber, aufstrebende Talente ohne garantierten Wertzuwachs, Experimentelles gar? Dafür ist das Risiko, sind die mit der Art Basel verbundenen Kosten schlicht zu hoch.

Dabei braucht man genau das. Junge Galerien ebenso wie neue Namen oder Spezialisten mit ihrem Blick für Übersehenes. Kunst braucht Leidenschaft, und Sammler lieben Entdeckungen – solche Sammler jedenfalls, die nicht allein auf Spekulation aus sind. Nach Basel kommen sie immer noch. Und kleine sogenannte Satellitenmessen, die zeitgleich zur Art Basel stattfinden, erfüllen genau dieses Bedürfnis. Mit wenigen Teilnehmern und wechselnden Veranstaltungsorten als Mittel der Überraschung. Vor allem konzentrieren sie sich auf ein künstlerisches Medium, Messen wie die Paper Positions besetzen Nischen. Sie sind weniger Konkurrenz denn Ergänzung mit einem Angebot, das es auf der Art Basel aus diversen Gründen nicht gibt.

Vorgemacht hat es die Photo Basel als erste und bislang einzige Fotokunstmesse der Schweiz. Sie startete 2015 und läuft nun zum vierten Mal parallel zur Art Basel. Ihr Zuspruch lädt andere ein, es ebenfalls zu versuchen. Zum Beispiel mit Kunst aus Papier.