I. Erfunden: 1845

"Meine Schneeflocken" nannte die französische Journalistin Colette sie. Von den "Fragmenten eines Traumes" schwärmte der amerikanische Schriftsteller Truman Capote, der durch Colette verführt wurde: zum Sammeln von Paperweights, gläsernen Briefbeschwerern. Als die beiden sich das erste Mal trafen, sprachen sie nämlich nicht über Literatur, sondern über Colettes Briefbeschwererbesitz (ungefähr einhundert Exemplare), der Capote sofort auffiel. Dass Paperweights in Mode kamen, liegt ein wenig zurück: 1845, auf der Gewerbs-Produkten-Ausstellung in Wien, präsentierte die italienische Glasmanufaktur Pietro Bigaglia erstmals Briefbeschwerer. In dieser Zeit entwickelte sich das Postwesen, es fielen also mehr Briefe an, die es festzuhalten galt. Man brauchte plötzlich: Briefbeschwerer. Die Bezeichnung Paperweight ist dem Wortsinn "Papiergewicht" nach nicht ganz korrekt, hat sich jedoch international durchgesetzt. Wer sich dafür interessiert, sollte auch den französischen Begriff, presse-papiers, kennen, schließlich produzierten französische Hersteller anfangs die meisten Beschwerer; die bekanntesten Kristallmanufakturen waren Baccarat, Clichy und Saint-Louis. Manufakturen in den USA, in Deutschland und Böhmen versuchten es ihnen gleichzutun.

II. Als Mordwerkzeug

Der deutsche Begriff Briefbeschwerer klingt nach Bürokratie und passt zu all den praktischen Varianten aus Bronze, Porzellan, Marmor und anderen Gesteinsarten, die für Ordnung auf dem Schreibtisch sorgen sollen. Eine gusseiserne Variante hat es sogar in die Weltliteratur geschafft: In Fjodor Dostojewskis Die Brüder Karamasow erschlägt Pawel Smerdjakow Karamasow seinen Vater Fjodor Pawlowitsch – mit einem Briefbeschwerer.

III. Günstig waren sie nie

Die Hochzeit der Paperweights aus Glas, die Blumen, bunte Millefiori-Stäbe oder zierliche Tiere umschließen, lag zwischen 1845 und 1860. Etwa 25.000 sollen damals produziert worden sein, von denen rund 10.000 erhalten geblieben sind. Als wenig später das Interesse nachließ, wurde die Produktion zurückgefahren. Einzig Saint-Louis produziert bis heute jährlich noch fünf bis sechs Motive in Stückzahlen zwischen 75 und 125. Die Preise beginnen bei 145 Euro für einen Mini-Eisberg und enden in der jüngsten Kollektion mit einem Blumenkopf à la Giuseppe Arcimboldo für mehr als 8.100 Euro.

IV. Für eine Viertelmillion Dollar

Sammler müssen inzwischen weit mehr Geld für besondere Exemplare von Briefbeschwerern aufbringen. 1941 noch waren 2.200 Dollar der höchste Preis. 1980 lag er bei 105.000 Dollar. Das bisher teuerste Stück wurde 1990 mit 258.000 Dollar der "Basket of Flowers", ein Millefiori-Paperweight aus der Frühzeit von Clichy. Da bleiben dem weniger Betuchten nur die Museumssammlungen: Lothar Buchheims "Museum der Phantasie" in Bernried, in den USA die Arthur Rubloff Collection in Chicago oder das Corning Museum of Glass in New York.