Was der eben erst frisch akkreditierte amerikanische Botschafter Richard Grenell betreibt, verlangt nach einem neuen Begriff: Postdiplomatie. Grenell hat am Wochenende der rechtsnationalen, antieuropäischen Website Breitbart ein Interview gegeben und dort angekündigt, er werde "Konservative" unterstützen, die sich gegen die Eliten auflehnen. Wer regelmäßig Breitbart liest oder Fox News guckt, der weiß genau, was Grenell mit diesem Satz meint. Ein Botschafter als antieuropäischer Cheerleader? Grenell hat sich seine Taktik von Donald Trump abgeguckt: Mal sehen, wie weit man gehen kann, wie weit man die Normen in einer Demokratie verschieben kann. Immer einen kleinen Schritt weiter, sodass jeder Schritt im Einzelnen zwar Unruhe erzeugt, aber nie so viel, dass es zum totalen Eklat kommt.

Den ersten Schritt hatte Grenell schon kurz nach Amtsantritt gemacht, als er deutsche Firmen aufforderte, sich umgehend aus dem Iran-Geschäft zurückzuziehen, nachdem Trump aus dem Deal ausgestiegen war.

Der zweite Schritt folgte dann am Wochenende. Und der dritte Schritt ist schon geplant. Grenell wird den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz, einen heftigen Kritiker der deutschen Bundeskanzlerin, in seinem Privathaus in Dahlem begrüßen. Wie viel Regelverletzungen lässt Deutschland Grenell noch durchgehen? Überwiegt die Erleichterung, dass der Botschafter mit Kurz doch nur einen moderaten Populisten hofiert, oder die Erkenntnis, dass sich der Botschafter zunehmend wie ein feindlicher Agent aufführt?

Die Postdiplomatie, die Grenell da praktiziert, ist die Variante eines Politikstils, die man in Amerika dog-whistle politics nennt, Hundepfeifen-Politik. Dabei benutzt ein Politiker eine Sprache, die je nach Publikum ganz unterschiedlich verstanden wird. So wie eine Hundepfeife nur von Hunden, nicht aber von Menschen gehört werden kann.

In Amerika hat diese Hundepfeifen-Politik zur Spaltung des Landes in zwei verfeindete Stämme geführt. Grenell preist nun das "Erwachen einer schweigenden Mehrheit" in Europa gegen das Establishment. Dass es dabei gegen Brüssel und Berlin geht, braucht er gar nicht mehr auszuführen. Nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten hat die ganze Welt den Kopf darüber geschüttelt, wie Amerika seine Spaltung geschehen lassen konnte. Wenn Deutschland nicht dabei zusehen will, wie Botschafter Grenell dabei hilft, Europa ebenfalls in Lager aufzuspalten, dann sollte es ihn nach Hause schicken.