Wie gefällt es dir in Russland? Bist du da sicher? Solche Fragen werden mir häufig gestellt, seit ich für die ZEIT von dort berichte. Klar: Wer in Deutschland die Nachrichten schaut, sieht viel Beunruhigendes aus Russland. Da nehmen Polizisten junge, friedliche Demonstranten fest, die staatliche Aufsichtsbehörde lässt Internetseiten sperren, weil sie ihr nicht passen, und russische Soldaten kämpfen im Nachbarland Ukraine, Politiker leugnen es aber bis heute.

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Aus Russland zu berichten ist tatsächlich nicht immer leicht. Politiker, mit denen ich spreche, streiten Vorwürfe meistens ab. Sie sagen dann einfach, dass man nur ihr Land schlechtzumachen versuche. Manche Politiker geben sich Mühe, anständig zu bleiben – aber viele benutzen ihr Amt eben auch dafür, reich zu werden, und einige lassen Kritiker bedrohen. Und ein Machthaber aus einer Region lässt Menschen, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen, einfach verhaften.

Deshalb habe ich manchmal schon Angst in Russland. Weniger um mich selbst – als Ausländerin genieße ich hier einen gewissen Schutz. Die Polizei verhält sich mir gegenüber korrekt, die Behörden auch. Aber kann ich mir wirklich sicher sein, dass auch meinen russischen Gesprächspartnern nichts passiert, wenn sie Politikern Korruption vorwerfen?

Die meisten Menschen informieren sich hier über das Fernsehen, doch alle russischen Fernsehsender werden vom Staat kontrolliert. Kritik am Präsidenten sucht der Zuschauer dort vergeblich, oft werden ausländische Medien schlechtgemacht. Darum begegnen mir auch gewöhnliche Leute manchmal misstrauisch. "Schreiben Sie auch die Wahrheit?", fragen sie mich dann.

Überhaupt wird sehr viel kontrolliert in Russland. Vor jedem kleinen Lebensmittelladen passen Wachmänner auf, in den Straßen sind immer viele Polizisten zu sehen.

Doch trotz alledem lebe ich sehr gern hier. Freunde, die mich in Moskau besuchen, sind fasziniert vom Reichtum der Stadt. Offiziell wohnen hier fast 13 Millionen Menschen, in Wahrheit dürften es aber noch viel mehr sein. Viele Regionen in Russland sind sehr arm, Arbeit gibt es nicht. Deshalb zieht es so viele nach Moskau: Die Stadt ist ein Versprechen. Wer hierherkommt, hofft auf ein besseres Leben.

Der Bürgermeister legt großen Wert darauf, dass die Stadt modern und wohlhabend wirkt. Da wird rund um die Uhr Müll aufgesammelt, da werden ständig frische Blumen gepflanzt und die Straßen mit aufwendigen Lichterketten und viel Blingbling geschmückt. Moskau soll was hermachen!

Jetzt, wenn es warm ist, dudelt in den Parks von überall her Musik. Skateboarder und Fahrradfahrer drehen ihre Runden, und manchmal sieht man Paare an der Flusspromenade tanzen. Der Sommer ist eine ganz besondere Zeit in Moskau. Weil der Winter hier lang und grau ist, blühen die Menschen bei den ersten Sonnenstrahlen auf. Sie sitzen draußen, genießen die Hitze und die Leichtigkeit, Kinder spielen bis spätabends in den Straßen, denn es bleibt sehr lange hell. Mich erinnert das an Sommerabende im Urlaub im Süden.