Als Timo Boll Anfang des Jahres mit knapp 37 Jahren Weltranglisten-Erster beim Tischtennis wurde, meinte er: "Ich kann eine gewisse Freude nicht verhehlen." Diese feine Ironie hat er mit dem Inder Viswanathan Anand (48) gemeinsam, als jener nicht nur im saudischen Riad Weltmeister im Schnellschach vor Weltmeister Magnus Carlsen, sondern auch Schnellschachsieger beim Tal Memorial in Moskau vor der weitaus jüngeren Weltelite wurde. Beide zeigten damit "im fortgeschrittenen Alter" in ihren so unterschiedlichen und doch auch vergleichbaren Sportarten, dass sie nicht nur immer noch blitzschnell auf unvorhergesehene Situationen reagieren, sondern sogar den Kampf kreativ gestalten können.

Sagt nicht die jüngere Forschung, dass auch im Alter sich das Gehirn eine erstaunliche Geschmeidigkeit bewahren kann und nicht nur dem unvermeidlichen Verfall der Neuronen und Synapsen hinterhertrauern muss?!

In Russland werden seit geraumer Zeit Schachturniere oft in Museen mit einer Geist und Gemüt inspirierenden Atmosphäre ausgerichtet, diesmal im Museum des Russischen Impressionismus, entsprechend wurden viele Besucher zufällig auch Zeugen hoher und dramatischer Schachkunst.

Mit viel Inspiration finden vielleicht auch Sie die so wunderschöne wie schwere, die schwarze Dame erobernde Opferkombination von Anand als Weißem am Zug gegen den Russen Alexander Grischtschuk?!

Lösung aus Nr. 23:

Welcher fantastische Opferzug gewann auf der Stelle für Weiß? Nach dem Abzugsschach 1.Se8+! gab Schwarz schon auf, weil er nach der Annahme des Damenopfers mit 1...Dxe5 durch 2.Txf8+ Lg8 3.Txg8 matt ist