Dass ein Handelskrieg nur Verlierer kennt, wissen die Ökonomen. Die Logik ist simpel. Wer wie Trump Strafzölle auf Stahl und Aluminium erhebt, macht im eigenen Land Autos, Bagger, Brücken, Flugzeuge teurer – wie mit einer Steuer. Mit steigenden Preisen fällt die Nachfrage, und die Jobs verschwinden dort, wo Stahl und Aluminium verarbeitet werden. Um eine kleine Gruppe – 140.000 Stahl- und Alu-Erzeuger – zu privilegieren, attackiert Trump 6,5 Millionen Amerikaner, die aus dem Stoff Abertausende von Produkten machen.

Törichter geht’s nimmer: Trump schädigt das eigene Land, um andere Länder zu bestrafen. Doch geht das Problem gleich dreifach tiefer. Erstens hat das "stabile Genie" nicht nur China ins Visier genommen, sondern auch die besten Freunde: die EU, Kanada und Mexiko. Das Trio ist für mehr als die Hälfte aller amerikanischen Exporte gut. Wer einen Freund wie Amerika hat, braucht keine Feinde mehr.

Zweitens die hanebüchene Begründung: die "nationale Sicherheit". Die Welthandelsorganisation WTO ist da sehr penibel. Sicherheitsrelevant ist nur der Handel mit spaltbarem Material, Waffen und Munition – wo es um Militärisches geht oder um einen nationalen Notstand wie Krieg. Das letzte Mal, als Amerika und Kanada aufeinander einschlugen, war im "Krieg von 1812". Die "nationale Sicherheit" will Trump auch an der nächsten Front auffahren: dem Import von unschuldigen Autos aus Europa und Japan.

Schließlich der übelste Angriff – gegen die WTO als Wächter und Schiedsrichter des Freihandels. Trump will keine US-Richter mehr entsenden, und die Financial Times fürchtet: "Über kurz oder lang wird es keinen globalen Durchsetzungsmechanismus mehr geben", keine Institution, die Konflikte friedlich schlichtet. "Leider wollen die USA genau das" – also eine Säule der liberalen Weltordnung schleifen, die Washington nach dem Zweiten Weltkrieg erfunden und gepflegt hat.

Den genialen Ökonomen Trump kümmert’s nicht. Er twittert: "Wer ein Handelsdefizit von knapp 800 Milliarden hat, kann einen Handelskrieg nicht verlieren. Die USA werden abgezockt, Zeit zum Aufwachen." Bloß hat das Giga-Defizit innere Gründe. Es entsteht, wenn ein Land mehr verbraucht, als es herstellt, wie es Amerika seit bald fünfzig Jahren tut – und insbesondere, weil der Bund ein astronomisches Haushaltsdefizit fährt. Das soll 2020 auf eine Billion Dollar anschwellen, weil Trump sowohl die Steuern senkt als auch die Staatsausgaben hochjagt. Angesichts dieser fundamentalen Kräfte können Strafzölle so viel ausrichten wie ein Pflaster bei einem Arterienriss.

Die EU wird nun gegen Made in U.S.A . zurückschlagen: Bourbon, Jeans, Motorräder ... Das schädigt die eigenen Verbraucher, weil die Preise für Harleys steigen und BMW so die Preise anheben kann. Wiederum verlieren beide Seiten: US-Arbeiter dort und EU-Konsumenten hier. Und dennoch muss die EU es tun, um dem Handelskrieger im Weißen Haus zu signalisieren: Wie du mir, so ich dir. Auf dem G7-Gipfel am Wochenende werden denn auch scharfe Worte fallen. Die EU hat bereits Einspruch bei der WTO eingelegt – und zwar mit der völlig richtigen Begründung, die Trump-Zölle seien "illegal".

Im Handelskrieg gibt es nur Verlierer – richtig. Doch wenn die EU zurückweicht, wird Trump die nächste Schlacht anzetteln – und die nächste.