Warren Buffett wettet nach eigenen Worten nicht auf Wunder, und diese Einstellung hat sich als Problem erwiesen. Das hat der legendäre Investor zugegeben, und zwar auf dem fast ebenso legendären Treffen seiner nicht weniger legendären Investment-Firma Berkshire Hathaway in Omaha. Dort schwärmte Buffett von Amazon-Gründer Jeff Bezos, von dem er stets eine "sehr, sehr, sehr hohe Meinung" gehabt, dessen Legendenhaftigkeit er aber doch unterschätzt habe. Was Bezos erreicht habe, grenze an ein Wunder, und nicht in dessen Firma Amazon investiert zu haben, sei ein Fehler gewesen.

Woran es lag? Nun, Buffett erklärte, er habe den Wert der Firma unterschätzt und die Aktien für zu teuer gehalten. Das muss ihn schmerzen, schließlich ist er für seine Strategie des value investing bekannt, die den Wert einer Firma ins Verhältnis zu ihrem Aktienkurs setzt. "Es wäre besser gewesen, wenn ich mehr Einblicke in die Unternehmen gehabt hätte", folgert Buffett. Daraus lässt sich zweierlei lernen: Wenn man etwas an der Börse für ein Wunder hält, hat man es noch nicht verstanden. Und: Die eigenen Fehler zu erkennen zahlt sich auf Dauer aus. Dass Buffett das kann, das macht ihn nur noch legendärer.