Susanne Haas hat schon viele Männer zum Weinen gebracht. Die Wiener Biologin sitzt in ihrem Labor mitten im noblen Grün des 19. Bezirks. Hierher kommen Menschen, die zweifeln, und solche, die verzweifelt sind. Seit 15 Jahren testet Haas Gen-Proben auf potenzielle Verwandtschaft. Häufig sind es Kinder, die wissen wollen, ob der Mann, der sie großgezogen hat, auch ihr biologischer Vater ist. Noch öfter, sagt Susanne Haas, seien es aber die Väter selbst, die Sicherheit suchten.

Rund sieben Prozent der Bevölkerung sollen Kuckuckskinder sein, sagen Schätzungen. Für Väter und Kinder geht es um Identitäten, die plötzlich in sich selbst zusammenfallen können. Es geht aber auch ganz pragmatisch um Unterhaltsfragen. Beides lässt den Markt für die Suche nach den biologischen Wurzeln wachsen.

"Molekularbiologie ist keine Hexerei" steht auf einem Schild im Eingangsbereich des Labors von Susanne Haas, ständig läutet das Telefon. An die 600 Vaterschaftstests macht ihr Unternehmen namens Confidence DNA-Analysen jährlich. Bei dem Verfahren, das 380 Euro kostet, werden DNA-Proben vervielfältigt und daraus in einem komplexen Prozess Gen-Profile erstellt, die eine biologische Elternschaft entweder ausschließen oder zu 99,9 Prozent bestätigen.

Dafür werden normalerweise Speichelproben entnommen. Im Gen-Labor liegen aber auch Gabeln und benutzte Kaugummiklumpen, Rasierapparate, Briefmarken, Schnuller und ein rosaroter Damen-Slip mit Sperma-Spuren, die möglicherweise nicht vom Ehemann stammen.

Bei 25 Prozent der Proben, die Haas analysiert, steht in der Geburtsurkunde ein Vater, der nicht der leibliche ist. Wer hierherkommt, bringt schon Zweifel mit, deshalb ist der Anteil der Kuckuckskinder im Gen-Labor wohl höher als im allgemeinen Schnitt. Eindeutige Untersuchungen und Statistiken über die Zahl mehr oder weniger bewusst untergeschobener Sprösslinge gibt es nicht: Eine belgische Studie kam vor einigen Jahren auf ein bis zwei Prozent, andere sprechen von bis zu zwanzig Prozent, die meisten Experten einigen sich für Industriestaaten wie Österreich auf eine Quote von sieben Prozent.

Im Jahr 2003 war Susanne Haas mit ihrer Business-Idee noch allein, mittlerweile gibt es in Österreich insgesamt drei vergleichbare Labors, die sich auf die Vaterschaftsfrage spezialisiert haben. Dazu kommen zahlreiche Anbieter im Internet, bei denen die Anzahl der untersuchten Gen-Marker und damit die Verlässlichkeit allerdings sehr unterschiedlich sind.

Seit sechs Jahren rumort es im Döblinger Labor noch mehr als zuvor: In Kooperation mit einer chinesischen Firma bietet Susanne Haas auch pränatale Vaterschaftstests an. Next generation sequencing heißt die Zaubermethode, bei der das Blut der Mutter untersucht wird, das ab der siebten Schwangerschaftswoche mit der DNA des Babys versetzt ist. Bei dieser Methode sind es fast immer die Schwangeren selbst, die wissen wollen, wer der Vater sein könnte.

In anderen Ländern muss die Mutter einem Vaterschaftstest erst zustimmen

Zwei-, dreimal am Tag muss sich Susanne Haas in ihrem Wiener Dialekt zurücknehmen und telefonisch Auskunft auf Hochdeutsch geben. Denn in Deutschland sind solche genetischen Tests vor der Geburt grundsätzlich verboten. Nur wenn hinter der Schwangerschaft möglicherweise eine Vergewaltigung steht, erlaubt das deutsche Gesetz eine pränatale Untersuchung, die allerdings von einem Arzt durchgeführt werden muss. In Österreich hingegen sieht das seit 1995 gültige Gentechnikgesetz lediglich die Zustimmung der werdenden Mutter vor.

Auch bei den klassischen Vater-Kind-Tests macht die Rechtslage Unterschiede: Hierzulande können Männer, die mit der Kindsmutter verheiratet sind oder die gemeinsame Obsorge tragen, auch im Alleingang Gutachten erstellen lassen. In vielen Teilen Europas ist eine heimliche Analyse hingegen strafbar. Ist das Kind minderjährig, dürfen DNA-Labore in Deutschland und in der Schweiz nur mit mütterlicher Einwilligung Analysen durchführen. Zweifelnde Väter aus anderen Ländern bringen deshalb gern Proben nach Österreich.