Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Es mag ja ein Trugschluss sein, aber viele sind immer noch der Ansicht, ein Ministeramt setze auch Kompetenz im eigenen Ressort voraus. Diese These wurde jüngst wieder etwas ins Wanken gebracht, als die Sozialministerin nach dem Beschluss der Kassenreform gewisse Fragen stellte. Diese wiederum erweckten den Eindruck, dass Basiswissen offenbar nicht immer die Basis einer Reform sein muss. Aber Minister bedeutet ja im ursprünglichen Sinn des Wortes "Diener", und somit wird klar, dass dieser Job in der Kompetenzhierarchie nicht ganz oben stehen kann. Dort sitzen Sektionschefs, die nach der österreichischen Entscheidungstrias Ja-Nein-Wurscht agieren. Letzteres ist vermutlich der häufigste Motivationsmotor. Zum Glück gibt es gegen diesen Stillstand nun einen "Roten Orkan", wie man jüngst erstaunt am SPÖ-Landesparteitag in Oberösterreich vernehmen konnte. Dieser sei der Sturm, der nun geerntet würde von einer Regierung, die einst den Wind gesät habe. Eine beachtenswerte Erkenntnis. Bibelzitate sind bei einer roten Parteiveranstaltung äußerst selten und könnten nun neue Allianzen andeuten. Denn nur mithilfe von ganz oben ist der fromme Wunsch zu realisieren, der ebendort geäußert wurde. Nämlich dass der Oppositionsführer nur ein vorübergehend außer Dienst befindlicher Bundeskanzler sei, der ja eigentlich ohnehin der Kanzler der Herzen sei. Das wiederum ist herzig. Denn er ist nicht einmal der Parteivorsitzende der Herzen, sondern eher jener der Vernunft. Immerhin, denn diese pausiert gern in der Innenpolitik und weicht dem simplen Ressentiment. Wenn etwa die Sozialministerin ebenjenen Sozialversicherungsträger zerschlagen will, der sie einst als Vorsitzende abgelehnt hat. Kehrte jetzt Vernunft ein, es wäre ein blaues Wunder.