Die Großanleger rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bis Ende des Jahres ihre Politik der quantitativen Lockerung beendet. Das bedeutet, dass sie aufhört, im großen Stil Anleihen der europäischen Staaten zu kaufen.

Trotzdem argumentieren nun manche, die EZB solle den Ausstieg aus dieser Politik noch länger hinauszögern. Denn das Wachstum des Euro-Raums und die Inflationsraten seien schwächer als erwartet ausgefallen.

Die EZB sollte diese Stimmen ignorieren: Sie hat Waffen, um die Konjunktur zu regulieren – insbesondere den Zinssatz. Die Anleihekäufe sind dafür zu schwerfällig und politisch zu umstritten. Sie sind eine Krisenmaßnahme. Eingeführt wurden sie, als der EZB die konventionelle geldpolitische Munition ausging und es der Wirtschaft Europas in der Euro-Krise lang anhaltend schlecht ging.

Die Krise ist nun vorbei, und die aktuellen schwächeren Wirtschaftsdaten sind kein Beweis für ihre Rückkehr. Die EZB muss den Normalisierungskurs halten – und die Märkte sagen voraus, dass die Statistiken sie nicht dazu bewegen werden, das zu ändern.

Das derzeitige Verhalten der Anleger lässt außerdem vermuten, dass das politische Chaos in Italien die EZB nicht zu einer Kursänderung bewegen wird.

Erstens wäre es politisch heikel, die quantitative Lockerung zu verlängern, da das Chaos aus Italien stammt und der EZB-Präsident, Mario Draghi, Italiener ist. Da könnten einige auf den Gedanken kommen, er würde sein Heimatland bevorzugen. Er muss aber über jeden Argwohn erhaben sein!

Noch wichtiger ist, dass die EZB aus Prinzip nicht in Zeiten politischer Unruhe eingreift. Das bedeutet, dass sie ihren Kurs nicht ändern sollte, nur weil die Politik sich ändert. Politische Neutralität angesichts der neuen populistischen Regierung in Italien bedeutet, die Käufe wie geplant in diesem Jahr zu beenden.

Auf der anderen Seite könnte eine Verlängerung der Anleihekäufe zwar zeitweise die Händler beruhigen, würde aber das falsche Signal nach Rom senden. Denn schon jetzt setzen die Italiener die EZB unter Druck, mehr italienische Staatsschulden zu kaufen, als die aktuellen Regeln erlauben. Das richtige Signal ist, dass es keine Rettungsaktion der Notenbank für Italiens Staatsanleihen geben wird. Und die beste Möglichkeit, wie die EZB diese Botschaft vermitteln kann, ist, bei der Pressekonferenz in Lettland an diesem Donnerstag zu verkünden, dass die Anleihekäufe in diesem Jahr beendet werden.

Vergangene Woche, bei einer Rede in Deutschland, deutete EZB-Chefökonom Peter Praet an, dass die Ankündigung des Termins für den Ausstieg in dieser Woche kommen könnte – und brachte die Märkte damit ein wenig ins Trudeln. Der Euro hörte auf zu fallen, und Renditen auf Anleihen mit längeren Laufzeiten stiegen – nicht nur in Italien – an.

Man kann hoffen, dass die EZB aus der Erfahrung vor fünf Jahren gelernt hat, als die amerikanische Notenbank ihr Anleihekaufprogramm beendet hat. Damals waren die Reaktionen heftig. Es wurden massenhaft Anleihen verkauft, die längerfristigen Zinssätze sprangen in die Höhe. Um solch eine extreme Reaktion in Europa zu verhindern, sollte die EZB an diesem Donnerstag die Erwartungen der Märkte klug in eine andere Richtung steuern: indem sie sagt, dass sie die erste Zinserhöhung weit nach hinten verschiebt. Und zwar bis zur zweiten Hälfte des Jahres 2019. Das sollte helfen, eine allzu heftige Marktreaktion zu verhindern.

Wichtig ist dabei auch etwas anderes, das die Notenbank schon seit Monaten an die Märkte kommuniziert: Nur weil die EZB den massenhaften Ankauf von Anleihen beendet, heißt das nicht, dass die Zentralbank komplett raus aus Staatsanleihemärkten wäre. Denn sie hört dann zwar auf, ihren Bestand an Anleihen aufzustocken. Laufen aber jene aus, die sie jetzt schon hält, so kauft sie nach. Das wird einen mäßigenden Effekt auf die Märkte haben.

Aus dem Englischen von Matthias Schulz