Stephanie Renda erinnert sich noch gut an den Tag, als sie bemerkte, dass Frauen in der Gründerszene anders behandelt werden als Männer. Renda war gerade dabei, ihr erstes Technologieunternehmen zu gründen, und suchte dafür Startkapital. Doch als sie ihre Idee bei einem Investor vortrug, nahm der sie nicht ernst. Als junge Mutter eine Firma gründen? Das hielt der Kapitalgeber für keine gute Idee. Er hatte stattdessen einen unkonventionellen Vorschlag: Renda könne doch ihren Businessplan vorsingen, sie habe ja schließlich Gesang studiert. "Darüber kann ich heute noch nicht lachen", sagt Renda.

Nur acht Prozent der Start-ups werden ausschließlich von Frauen gegründet

Vorurteile, Anzüglichkeiten, Diskriminierungen: Davon berichten Gründerinnen immer wieder. Ein Grund dafür könnte sein, dass sie in der Szene in der Minderheit sind: Nur acht Prozent der Start-ups werden ausschließlich von Frauen gegründet, hinter 72 Prozent stecken hingegen ausnahmslos Männer. Das belegt eine aktuelle Studie des Bundesverbands Deutsche Startups, in dessen Vorstand Stephanie Renda sitzt. Erklärtes Ziel der Studie: Frauen dafür zu erwärmen, mehr Unternehmertum zu wagen.

Gute Gründe dafür gibt es zuhauf. Die Wirtschaft kann nur profitieren, wenn sie von Unternehmerinnen ebenso geprägt wird wie von Unternehmern, sie wird vielfältiger, durchlässiger, gerechter, wettbewerbsfähiger. Zudem setzen Gründerinnen bislang andere Prioritäten als Gründer: Laut der Studie gründen Frauen zum Beispiel deutlich öfter im Bildungsbereich als Männer, während Männer viel mehr Softwarefirmen aufbauen.

Gründerinnen bekommen von Investoren seltener und weniger Kapital

Die Studie zeigt aber auch, wo es hakt – und wo Frauen es schwerer haben. Dort nämlich, wo Stephanie Renda Probleme erlebt hat: bei der Finanzierung ihres Start-ups. Zwar sind die eigenen Ersparnisse für Gründer wie Gründerinnen die wichtigste Geldquelle, es folgen Geldspritzen von Angehörigen und staatliche Fördermittel. Doch dieses Geld trägt meist nur über die Anfangsphase. Sobald ein Start-up wachsen soll, braucht es das Kapital risikofreudiger Investoren, die es sich leisten können, auch mal Geld in den Sand zu setzen, wenn dafür ein anderer Teil ihrer Mittel großen Erfolg hat. Das können vermögende Privatpersonen sein oder auch institutionelle Wagniskapitalgeber. Und genau hier fangen die Unterschiede an: Gründerinnen bekommen von diesen Finanziers seltener und weniger Kapital.

Das kann natürlich auch daran liegen, dass Gründerinnen weniger kapitalintensive Projekte starten. Wissenschaftliche Studien legen aber nahe, dass es einen anderen Grund haben dürfte: Investoren sind geneigt, eher Geschäftsideen von Männern zu finanzieren als identische Projekte von Frauen. Das muss nicht einmal Absicht sein, sondern kann schlicht daran liegen, dass Investoren sich in männlichen Gründern eher selbst wiedererkennen.