Als wir den Film Grüße aus Fukushima drehten, wohnten wir nur etwa zwölf Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk entfernt in Containern, zusammen mit den Bauarbeitern, die die kontaminierte Erde abtrugen. In direkter Nachbarschaft gab es nur einen kleinen Supermarkt, einen Puff und ein Krematorium. Die Bedingungen waren also, gelinde gesagt, etwas schwierig. Ich brauchte irgendetwas, um mich zu beruhigen, und wusste nicht, was, da fiel mir ein Bericht über Zenmönche in die Hände, die Bambusflöte spielen, um so ihren Atem zu beruhigen und zu meditieren.

In einer Drehpause fand ich einen Flötenladen in Tokio, der diese knorrigen und sehr langen Flöten verkaufte. Die Verkäuferinnen warnten mich: Es sei unendlich schwierig, die Shakuhachi zu erlernen, und sie selbst würden es gar nicht erst versuchen. Das ermunterte mich seltsamerweise, weil es noch schwieriger erschien, als einen Film in Fukushima zu drehen. Ich bezahlte ziemlich viel Geld für eine Flöte, die ich wahrscheinlich nie würde spielen können, und zog von dannen, zurück in den Container in der Provinz Fukushima. Dort saß ich nun in jeder freien Minute in meinem etwa vier Quadratmeter großen Zimmer auf dem Bett (wo sonst?) und blies in meine Shakuhachi. Wochenlang, die gesamte Zeit, die wir dort zubrachten, bekam ich keinen einzigen Ton aus der Flöte. Keinen einzigen. Aber das beständige Ein- und lange Ausatmen beruhigte mich tatsächlich – oder ich bildete es mir zumindest ein. Als wir nach Tokio zurückkehrten, gab es eigentlich keinen Grund mehr, jeden Abend ergebnislos in meine Flöte zu blasen, aber ich konnte diese Gewohnheit nicht so schnell aufgeben, und eines Abends geschah das Wunder: Hoch über der Stadt, in einem Hotelzimmer im 44. Stock, kam plötzlich ein langer, wehklagender und wirklich erstaunlich schöner Ton aus diesem Stück Bambus. Ich war wie vom Donner gerührt und schwor mir, nie wieder mit dem Shakuhachi-Spiel aufzuhören. Kurz darauf hämmerte der Nachbar empört an die Wand. Jetzt, fast drei Jahre später, beherrsche ich sechs Töne. Es geht voran. Traditionell trugen die Zenmönche eine Art Bienenkorb auf dem Kopf während ihres Flötenspiels. So stelle ich mir jetzt manchmal freudig meine Zukunft vor.